Radon im Grubenwasser (Foto: SR)

Mediziner fordert Radon-Kataster

Mirko Tomic   28.06.2018 | 12:25 Uhr

Bei einer Informationsveranstaltung der IGAB Saar Ost, eine neue Untergruppierung der Bergbaubetroffenen im Saarland, ging es am 27. Juni um Radon. Das geruchslose, radioaktive Edelgas ist die zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs. Doch was hat das mit den Grubenflutungen durch die RAG zu tun? Der Allgemeinmediziner Karl-Michael Müller aus Quierschied hat sich damit über Jahre intensiv befasst und bei der Veranstaltung seine Einschätzungen dargelegt.

Der Allgemeinmediziner Karl-Michael Müller aus Quierschied fordert die Einrichtung eines Radon-Katasters. Bei der öffentlichen Informationsveranstaltung am 27. Juni in Landsweiler sprach er auf Einladung der „IGAB Saar Ost“ anlässlich der geplanten Grubenflutung über das Thema.

Audio: Studiogespräch

Studiogespräch: "Die Bevölkerung ist für das Problem nicht sensibilisiert"
Audio [SR 3, Studiogespräch: Christoph Grabenheinrich/Mirko Tomic, 28.06.2018, Länge: 03:11 Min.]
Studiogespräch: "Die Bevölkerung ist für das Problem nicht sensibilisiert"
SR 3-Grubenwasser-Fachmann Mirco Tomic erläutert im Studiogespräch die Einschätzungen des Allgemeinmediziners Müller.

Müller fordert landesweiten Kataster

Müller sieht eine zusätzliche Gefährdung der Gesundheit  durch den geplanten Anstieg des Grubenwassers. Beim Anstieg würde das Gas nach oben gedrückt und durch Spalten und Risse unkontrolliert entweichen können. Mit einem landesweiten Kataster könnten die Austrittsstellen und Mengen des hochgiftigen krebserzeugenden Radongases kartiert werden.

In Rheinland –Pfalz und auch in Lothringen seien solche Radonkataster längst Standard, im Saarland dagegen würde die Problematik des farb- geruchs- und geschmacklosen Radon bis heute ignoriert. Die Bevölkerung würde nicht umfassend über die Gefahr durch Radon aufgeklärt. Die aktuellsten Messungen stammten aus den 1990er Jahren. Das Gas dringt durch Boden und Wände in Häuser und gefährde so die Bewohner. Ein Kataster würde Klarheit und Sicherheit bringen. Hier sei die Landesregierung gefordert.

Der Mediziner stellt in einer Zehnjahresübersicht über 7.000 Krebserkrankungen in Zusammenhang mit dem Radon-Gasaustritt. Grundlage seiner Beobachtungen sind auch die Daten des saarländischen Krebsregisters. Es bestehe dringender Handlungsbedarf seitens der Politik.

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