Krähen (Foto: pixabay)

Rabenkrähen - verantwortlich für Vogelschwund?

Marie Kribelbauer / Onlinefassung: Axel Wagner   26.08.2019 | 16:45 Uhr

Die Rabenkrähe ist ein Vogel, der polarisiert. Saarländische Jäger fordern schon seit Jahren, dass die Krähe für vogelfrei erklärt wird, um Landwirtschaft aber auch den Kleinhühner- und Singvogelbestand zu schützen. Tierschützer hingegen sehen den Grund für den Vogelschwund nicht ausschließlich bei Krähe und Co.

Oben in den Baumkronen sitzen sie, die großen schwarzen Vögel, recken die Hälse und krächzen uns aus dem Schlaf. Dass wir auch in den Städten und Siedlungen immer öfter Rabenkrähen zu Gesicht bekommen, das ist kein böses Omen, sondern hat zwei Gründe. Die Zahl der Krähen habe zugenommen und die Tiere würden heute stärker menschliche Siedlungen als Lebensraum nutzen, sagt Vogelexperte Rolf Klein. Es gibt also mehr Krähen, und die fühlen sich in unseren Städten besonders wohl.

Audio

Rabenkrähen im Saarland - verantwortlich für Vogelschwund?
Audio [SR 3, Marie Kribelbauer, 26.08.2019, Länge: 03:12 Min.]
Rabenkrähen im Saarland - verantwortlich für Vogelschwund?

Jäger fordern Abschussfreigabe der Krähe

Die Krähe darf in einigen Bundesländern gejagt werden, bei uns im Saarland aber nur in Ausnahmefällen. Jäger aber sehen verschiedene Vogelarten durch die Krähe bedroht - so zum Beispiel die Lerche oder das Rebhuhn.

„Ich denke, es ist wirklich an der Zeit, dass der saarländische Gesetzgeber Jagd- und Schonzeiten für die Krähe einführen“, sagt Landesjägermeister Josef Schneider. „Es ist signifikant, dass gerade in den beiden Bundesländern, in denen die Krähe nicht bejagbar ist, die Bestände an Fasanen und insbesondere Rebhühnern sehr stark zurückgegangen sind.“

Krähen dürfen im Saarland nur dann geschossen werden, wenn etwa im Gebiet ein Rebhuhnpaar brütet. Dafür muss man dann einen Antrag beim Umweltministerium stellen. „Die Bestände sind so stark angestiegen, dass sich durch den Abschuss von fünf oder zehn Krähen die Situation nicht grundlegend ändert“,  entgegnet Schneider.

Umweltministerium widerspricht

Die Stellungnahme des Umweltministeriums: „Die häufig vorgebrachten Argumente, die für eine Regulierung der Krähenbestände sprechen, (z. B. negative Auswirkungen auf Niederwildbestände und Singvögel […] sind weitgehend wissenschaftlich nicht validiert worden und in einem erheblichen Anteil widerlegt. [...] Zudem ist die wichtige Funktion von Rabenkrähen im Ökosystem fachlich unstreitig anerkannt, […].“

Für das Aussterben der Singvögel sind demmach also nicht die Krähen verantwortlich. Die schwarzen Vögel nehmen sogar eine wichtige Rolle in der Natur ein. Daher sei eine Aufhebung des Jagdgesetztes nicht nötig.

Rebhühner versus Krähen?

Rebhuhn (Foto: dpa/Sina Schuldt)

Das Rebhuhn ist im Saarland vom Aussterben bedroht. Schätzungen zufolge leben hier nur noch 30  bis 50 Rebhuhnpaare. Doch ist dafür der Rabenkrähe alleine den schwarzen Peter zuzuschieben?

Für Vogelexperte Klein sind es vor allem andere Faktoren, die dem Rebhuhn das Leben schwer machen. Er verweist auf die Unterschiede zwischen der Gartennutzung vor 50 Jahren und heute. „Da gab’s einfach viel mehr Lebensraum, Unterschlupfmöglichkeiten für viele, viele Arten.“ Das sei wichtig für das Rebhuhn und werde auch in einem vorbildlichen Projekt des Landesjagdverbandes wieder umgesetzt. „Hier geht’s genau um diese Strukturanreicherung mit verschiedenen Blühstreifen, mit verschiedenen Saaten, die dem Rebhuhn wieder Lebensraum geben.“

Die Blühstreifen mit hohen Gräsern bieten dem Rebhuhn nicht nur Möglichkeiten zum Verstecken, die Insekten, die durch die Blumen angelockt werden sind wichtig für die Aufzucht der Küken, die viel Eiweiß brauchen.

Eine Bejagung der Rabenkrähe käme für Klein nur dann in Frage, wenn dadurch der Schutz des Rebhuhns gewährleistet würde. „Da bin ich mehr Arten- als Tierschützer. Eine Art zu erhalten ist wichtiger als das einzelne Tier.“

Die Krähen stehen im Saarland also weiterhin unter Naturschutz. Für uns heißt das: Watte in die Ohren packen und weiterschlafen!

Artikel mit anderen teilen