Eine Pflegekraft begleitet eine Heimbewohnerin. (Foto: picture alliance / dpa | Oliver Berg)

Informationsdefizit in saarländischen Pflegeheimen

mit Informationen von Steffani Balle   13.01.2022 | 12:15 Uhr

Laut einer Bertelsmann-Studie schneiden im Saarland die Pflegeeinrichtungen in Sachen Transparenz schlecht ab. Es gibt keine gesetzliche Vorgabe zur Veröffentlichung von Prüfungen in Heimen, entsprechend können die Prüfberichte auch nicht eingesehen werden.

Wie gut sind Pflegeheime mit Personal ausgestattet? Und wie leicht können Angehörige diese Information finden? Im Saarland lassen sich diese Informationen nicht einsehen. Es fehlt an einer gesetzlichen Grundlage.

Datenschutzprobleme

Es gibt zwar einen gesetzlich vorgeschriebenen Personal-Schlüssel, und der wird auf dem Papier auch eingehalten. Das kontrolliert einmal pro Jahr der Medizinische Dienst. Er kontrolliert auch die Einhaltung der Hygienevorgaben und redet mit Bewohnerinnen und Bewohnern, ob sie sich wohl und gut betreut fühlen.

Das Ergebnis der Prüfung wird aber nicht veröffentlicht. Der Grund: In den Prüfungen seien Patientendaten und Dienstpläne enthalten, und da stehe der Datenschutz einer Veröffentlichung im Weg, sagt die Leiterin der Heimaufsicht Ann-Kathrin Hahn.

Wie aussagekräftig sind Kontrollen?

Ein weiteres Problem: Die jährlichen Kontrollen des Medizinischen Dienstes werden angekündigt. Hier könnten Mängel kurzfristig vertuscht werden.

Dass die Kontrollen eine Momentaufnahme sind, das weiß auch Ann-Kathrin Hahn. Deshalb gibt es auch sogenannte anlassbezogene Kontrollen. Diese finden statt, wenn es eine Beschwerde über einen Missstand gibt.

Bewertungsportal als Lösung?

Braucht es ein Bewertungsportal für Heime?
Audio [SR 3, Studiogespräch: Frank Hofmann / Steffani Balle, 13.01.2022, Länge: 03:07 Min.]
Braucht es ein Bewertungsportal für Heime?

Hamburg schneidet in der Bertelsmann-Studie besonders gut ab und geht einen anderen Weg. Hier gibt es eine Bewertungsplattform, auf der Bewertungen von Kontrolleuren, Bewohnern und Angehörigen einfließen. Null bis fünf Sterne können die Pflegeeinrichtungen so erzielen. Das sei ein Weg, den man sich auch im Saarland vorstellen könne, so Hahn.

Kritik an diesem Modell kommt von der Gewerkschaft Verdi. Ein solches Bewertungsportal reiche nicht aus. Viel wichtiger sei es, die Pflegeberufe aufzuwerten und so attraktiv zu machen, dass genügend Menschen in die Pflege gehen und dann auch kein Kräftemangel mehr bestehe, sagt Lisa Summkeller von der Gewerkschaft Verdi.

Hier kann man sich hinwenden

Bei Beschwerden gibt es im Saarland viele Anlaufstellen: Jedes Heim hat ein eigenes Qualitätsmanagement. Hier sollte man sich zuerst hinwenden.

Bei gravierenden Mängeln kann man sich an die Heimaufsicht im Gesundheitsministerium wenden oder aber an den Pflegebeauftragten der Landesregierung, Jürgen Bender. Die Kontakte findet man hier:

Pflegebeauftragter:
Tel: +49 681 501-3297
Email: geschaeftsstelle.pflegebeauftragter@soziales.saarland.de
Internet: www.saarland.de
Heimaufsicht
Hotline: 0681 501-3339
Email: vzabtb@soziales.saarland.de

Dann gibt es die Beratungsstellen: Pflegestützpunkte in jedem Landkreis und die Pflegegesellschaft. Die einzelnen Heime präsentieren sich auf der recht neuen Website der Pflegegesellschaft mit Bild, mit Preis und Ansprechpartner und der Einladung, persönlich vorbei zu kommen, um sich vor Ort ein Bild zu machen: www.spg-online.org

Auch ein Thema in der Sendung "Region am Mittag" vom 13.01.2022 auf SR 3 Saarlandwelle.

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