alte Autoreifen (Foto: SR)

Zum Erfolg mit recycelten Reifen

Mit Informationen von Stephan Deppen   13.08.2022 | 12:00 Uhr

Das Unternehmen Pyrum Innovations aus Dillingen ist weltweit führend mit einem ganz besonderen Recycling-Verfahren: Aus alten Reifen werden neue Rohstoffe hergestellt. Damit entsteht ein nicht endender Energie-Kreislauf, der gerade in Zeiten der Energiekrisen ein ganz besonderes Gut darstellt.

Thermolyse - hinter diesem Begriff verbirgt sich ein weltweit patentiertes Recycling-Verfahren der Dillinger Firma Pyrum Innovations. Ein Unternehmen, das der heutige Vorstandsvorsitzende selbst gegründet hat, um Gummi in großem Stil zu recyclen. Jetzt, nach rund 14 Jahren, scheint der Durchbruch gelungen: Seit einem Jahr ist Pyrum an der Börse notiert und macht mit einem neuen Verfahren von sich reden.

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Pyrum Innovations aus Dillingen: eine saarländische Erfolgsgeschichte
Audio [SR 3, Stephan Deppen (c) SR, 13.08.2022, Länge: 03:15 Min.]
Pyrum Innovations aus Dillingen: eine saarländische Erfolgsgeschichte

Familienvater Pascal Klein bezeichnet seine Pyrum Innovations AG als gewissermaßen viertes Kind. Die Firma hat er schon als Student gegründet. Klein ist eigentlich Kaufmann, aber das Tüfteln hat ihn gereizt. Die Grundidee: Kunststoffe zu recyclen. Jahre hat es gedauert, bis er da war, wo er jetzt ist. Aber die Anstrengungen haben sich gelohnt.

Das Verfahren

Seit zwei Jahren läuft die Anlage zum Recyclen von PKW- und LKW-Reifen im Dauerbetrieb. Jetzt ist es gelungen, das Verfahren auch auf Fahrradreifen zu übertragen. Der Reifen wird in Gummigranulat, Stahl und Textilgewebe zerlegt. Aus dem Granulat wird im Pyrum-Verfahren Öl, Ruß und Gas gewonnen - und alles wieder genutzt. Das Öl nutzt beispielsweise BASF, um neue Kunststoffe herzustellen. Das Gas kann dafür genutzt werden, um die firmeneigenen Blockheizkraftwerke zu betreiben. So bleibt man Energie-autark.

Energiekrise befeuert die Nachfrage

Ob Corona oder der Krieg in der Ukraine: Unabhängigkeit von Energie, Wiederverwertung von Rohstoffen sind die Themen der Zeit und das spielt Pyrum Innovations jetzt in die Karten. Die Zahl der Beschäftigten hat sich innerhalb eines Jahres auf rund 80 verdoppelt. Pascal Klein freut sich über die große Nachfrage, kann diese allerdings mit nur einem Werk nur bedingt bedienen: "Jetzt, da der Groschen gefallen ist, geht es allen nicht schnell genug. Jeder Reifenhersteller, jeder Kunststoffhersteller, jeder Chemiekonzern möchte auf einmal 100 Prozent recyceltes Öl oder Ruß, um selbst ein grünes Image zu bekommen." Das Wachstum könne aber nur in kleinen Schritten erfolgen, sagt er.

Das Ziel: 50 Produktionslinien europaweit

Denn für ein noch kleines, wenn auch inzwischen börsennotiertes Unternehmen, ist der Bau weiterer Anlagen noch immer eine große Herausforderung. Für ein neues Werk müsse eine Finanzierung von rund 30 Millionen Euro auf die Beine gestellt werden. Das bezahle man nicht eben so aus der Portokasse, so der Firmenchef. Eine Expansion sei aber in Planung. Erst einmal am Standort in Dillingen. Hier könnten dann 20.000 Altreifen im Jahr recycelt werden.

Großer Vorsprung vor möglicher Konkurrenz

Klein ist optimistisch, in zwei Jahren die Gewinnschwelle zu erreichen - weltweit muss sich Pyrum Innovations mit seiner Technologie nicht viel Konkurrenz stellen. Das werde auf absehbare Zeit auch wohl so bleiben, schätzt er. Sie seien ihren Wettbewerbern rund sechs Jahre voraus. Die Erkenntnis, dass das ganze Tüfteln letztlich doch von Erfolg beschieden war, macht Pascal Klein natürlich auch stolz.

Ein Thema in der "Region am Mittag" am 13.08.2022 auf SR 3 Saarlandwelle.

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