Depression bei Jugendlichen (Foto: pixabay/wokandapix)

Depression und Angststörungen bei Jugendlichen

Steffani Balle   17.02.2020 | 11:45 Uhr

Wie steht es um die psychische Gesundheit unserer Kinder? Das haben Experten der Bielefelder Universität für den Gesundheitsreport der Krankenkasse DAK-Gesundheit untersucht und sind zum Ergebnis gekommen: Jedes vierte Schulkind im Saarland leidet unter psychischen Belastungsstörungen.

Depression, Angststörung, Verhaltensauffälligkeiten wie ADHS – sind wirklich so viele Schulkinder psychisch belastet? Der allergrößte Teil entfalle dabei auf die kleineren Kinder, bei denen es Sprach- oder Sprechstörungen gebe, sagt Andreas Storm, der Vorstandsvorsitzende der DAK-Gesundheit. Bei den Jugendlichen im Alter von zehn bis 17 Jahren spielten zunehmend die Themen Depression und Angststörungen eine Rolle.

Erfasste Erkrankungen unter Bundesdurchschnitt

"Wir können davon ausgehen, dass im Saarland rund 2300 Jugendliche, das sind etwa zwei Prozent, von Depressionen und Angststörungen betroffen sind", so Storm. Diese Zahlen hat die DAK Gesundheit für ihren diesjährigen Gesundheitsreport über die Abrechnungsdaten der Ärzte ermittelt. Prozentual liegt das Saarland bei den diagnostizierten Fällen damit unter dem Bundesdurchschnitt.

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Hohe Dunkelziffer bei Depressionen und Angststörungen
Audio [SR 3, Steffani Balle, 17.02.2020, Länge: 05:07 Min.]
Hohe Dunkelziffer bei Depressionen und Angststörungen

Hohe Dunkelziffer vermutet

Michael Zemlin, kommissarischer Leiter der Kinderklinik an der Uniklinik des Saarlandes, geht allerdings von einer hohen Dunkelziffer aus. "Das kann man deutlich daran ableiten, dass wir eine sehr hohe Rate an Verordnungen von Medikamenten haben, die für solche Erkrankungen geeignet sind, die keine körperliche Ursache haben - also Medikamente gegen Befindlichkeitsstörungen, Schmerzmittel, homöopatische Medikamente die aufgrund des Placebo-Effektes wirken." Diese Medikamente kämen typischerweise bei so genannten somatoformen oder psychosomatischen Erkrankungen zum Einsatz "und von denen haben wir im Saarland viel, viel mehr als bundesweit verordnet", so Zemlin.

Das heißt: Lieber bekommt das Kind, das sich nicht konzentrieren kann, das antriebslos ist, dauernd Kopf- oder Bauchschmerzen hat, Medizin, als dass eine psychische Erkrankung diagnostiziert wird. Die Gründe dafür sieht der Kinderarzt in der Gesellschaft. "Ich glaube, unser Verhältnis zu psychischen Erkrankungen sollte sich entwickeln und das können wir nur, indem wir uns damit beschäftigen."

"Psychische Erkrankungen kommen auf leisen Sohlen"

Eine Depression oder eine Angststörung muss jedoch auch erst mal erkannt werden. "Psychische Erkrankungen kommen auf leisen Sohlen", sagt DAK-Chef Andreas Storm. Wichtig sei auf jeden Fall, dabei auch das familiäre Umfeld mit einzubeziehen, denn wenn eine ensprechende Erkrankung bei den Eltern bzw. einem Elternteil vorliege, dann gebe es auch für die Kinder ein bis zu dreimal so hohes Risiko, zu erkranken.

Ein Thema in den "Bunten Funkminuten" am 17.02.2020 auf SR 3 Saarlandwelle

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