Justizia (Foto: Pixabay/Dieter_G)

Freispruch im Prozess um vorgeblichen Missbrauch

Gabor Filipp   10.09.2018 | 13:10 Uhr

Wegen schweren sexuellen Missbrauchs war ein 51-Jähriger vor dem Landgericht angeklagt. Er wurde beschuldigt, seine Nichte vergewaltigt zu haben. Die Tat sei irgendwann vor gut 15 Jahren in Saargemünd begangen worden. Das mutmaßliche Opfer, damals acht Jahre alt, war schon mehrmals stationär in der Psychiatrie. Für den Angeklagten gab es am 10. September nun einen Freispruch.

Audio: Studiogespräch mit SR-Prozessbeobachter Gabor Filipp

Studiogespräch: "Seine Existenz ist ruiniert"
Audio [SR 3, Studiogespräch: Dorothee Scharner/Gabor Filipp, 10.09.2018, Länge: 03:10 Min.]
Studiogespräch: "Seine Existenz ist ruiniert"

Einen Prozess gegen den Angeklagten Patrick D. gab es in dieser Sache schon Ende letzten Jahres. Dann aber wurde er ausgesetzt, weil das Gericht die Glaubwürdigkeit der Hauptbelastungszeugin, des mutmaßlichen Opfers, begutachtet haben wollte. Grund für diesen Schritt: Die Nichte blieb in einer Video-Vernehmung bei den Beschuldigungen gegen ihren Onkel, aber Zeugenaussagen und die Beweisaufnahme insgesamt nährten Zweifel.

Das nach Monaten erstellte rechts-psychologische Gutachten hat diese Zweifel nun mehr als bestätigt: Die inzwischen 25-Jährige sei - so das Ergebnis - in ihrer Aussagetüchtigkeit erheblich eingeschränkt, dafür sei ihre Falschaussagekompetenz überdurchschnittlich. Das Fazit des Gutachtens: Die Aussagen gegen den Onkel seien wahrscheinlich erfunden.

Nach diesem Gutachten dauerte der Prozess am 10. September nur noch eine gute halbe Stunde und dann folgte das Urteil: Freispruch. Selbst der Staatsanwalt hatte dafür plädiert, nachdem die Nebenklagevertreterin erklärt hatte, ihre Mandantin - also die Nichte - wolle nicht noch einmal aussagen und auf weitere Zeugen werde verzichtet.

Über dieses Thema wurde auch in der "Region am Mittag" am 10.09.2018 auf SR 3 Saarlandwelle berichtet.

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