Nachbildung der Justitia neben einem Aktenstapel (Foto: dpa Bildfunk)

Zahllosen Hinweisen wurde nicht nachgegangen

mit Informationen von Katja Preißner   27.06.2019 | 08:23 Uhr

Am Landgericht Detmold beginnt heute der Prozess um den jahrelangen Kindesmissbrauch auf einem Campingplatz in Lügde. Über zwanzig Jahre lang sollen dort Dutzende Kinder missbraucht worden sein - man fragt sich, wie das so lange unentdeckt bleiben konnte.

Ungefähr 10 Prozent der heutigen Erwachsenen sagen, sie seien als Kind missbraucht worden. Das ist schon erschreckend, im Fall Lügde ist Kinderpsychiater Jörg Fegert aber besonders erschüttert: "Was diesen Fall einzigartig macht, ist, dass auf so eine Vielzahl von Hinweisen nicht reagiert wurde." Vor allem Eltern, Lehrer und Erzieher sollten Kindern zuhören und ihnen vor allem glauben. "Der zentrale Weg ist die Aussage des Kindes", erklärt der Missbrauchsforscher.

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"Wichtig ist erstmal zuhören und glauben"
[SR 3, (c) Katja Preißner, 27.06.2019, Länge: 05:03 Min.]
"Wichtig ist erstmal zuhören und glauben"
SR-Moderatorin Katja Preißner hat mit Professor Jörg Fegert, Ärztlicher Direktor der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Universität Ulm gesprochen. Er forscht zu Missbrauch und der Aufarbeitung und saß als Experte mit am sogenannten Runden Tisch der Bundesregierung zu diesen Themen.

Mehr Informationen

wdr.de
Prozessauftakt: Missbrauchsfälle von Lügde
Die Staatsanwaltschaft wirft Andreas V. sexuellen Missbrauch von Kindern in 298 Fällen vor. In der Anklageschrift stehen 23 Opfer, die der Mann aus Lügde in einem Zeitraum zwischen Sommer 1998 und Dezember 2018 auf einem Campingplatz im Ortsteil Elbrinxen begangen haben soll. Alle Opfer seien minderjährig gewesen. Außerdem muss sich V. verantworten, weil er kinderpornografische Bilder und Videos besessen haben soll.

Über dieses Thema wurde auch in "Guten Morgen" auf SR 3 Saarlandwelle am 27.06.2019 berichtet.

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