Demenz  (Foto: dpa/Oliver Berg)

Viel Effekt mit wenigen Mitteln

Klinik-Projekt: Betreuungsperson für Patienten mit Demenz

Steffani Balle   22.09.2020 | 12:45 Uhr

Um demenziell erkrankten Patienten den Krankenhausaufenthalt zu erleichtern, haben zwei Krankenhäuser im Saarland unter der Federführung des ISO-Instituts drei Jahre lang im Rahmen eines Projektes getestet, wie des den Patienten geht, wenn sie zusätzlich zur medizinischen Pflege in der Klinik eine Betreuungsperson an ihrer Seite haben. Das Ergebnis des Projektes wurde nun vorgestellt.

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Viel Effekt mit wenigen Mitteln
Audio [SR 3, Steffani Balle, 22.09.2020, Länge: 03:03 Min.]
Viel Effekt mit wenigen Mitteln

Großer Nutzen für wenig Geld

Krankenhaus-Patienten, die an Demenz leiden, haben es doppelt schwer: Die ungewohnte Umgebung verunsichert sie, ebenso wie die unbekannten Menschen um sie herum, die Dinge tun, die unangenehm sind. Über drei Jahre wurde nun in zwei Kliniken im Land zusätzliche Betreuungskräfte für demenziell erkrankte Patienten bereitgestellt. Rund zehn Stunden pro Aufenthalt, macht ungefähr eine Stunde am Tag. Die Kosten lagen bei 390 Euro zusätzlich pro Patient. Der Nutzen deutlich höher, sagt Thomas Junge, der Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft katholischer Krankenhäuser im Saarland. "In Saarlouis ist es gelungen, unerwünschte Ereignisse um fast 65 Prozent zu reduzieren", so Junge.

Zu solchen "unerwünschten Ereignissen", die bei demenziell erkrankten Patienten häufiger vorkommen, zählen Stürze, Weglaufen, Abreißen von Verbänden, ständiges Klingeln nach der Schwester und Schreien, was auch die Mitpatienten stark stört.

Zeit, Zuwendung und Struktur

Betreuer sind keine examinierten Pflege-Fachkräfte. "Betreungskräfte sind dazu da, dem Patienten Sicherheit zu geben, Orientierung zu geben, ihn durch den Tag zu begleiten, ihm Struktur zu geben, Beschäftigung, Zuwendung", sagt Rosa-Adelinde Fehrenbach, leitende Ärztin der Geriatrie an der SHG-Klinik Saarbrücken und Vorsitzende der Saarländischen Alzheimer-Gesellschaft.

Entlastung für die Pflegekräfte

Mit anderen Worten: Betreuungskräfte sind einfach für die Patienten da. Sie haben - anders als die Pflegekräfte - Zeit. Zeit zum Zuzuhören und zum Erzählen, zum Beruhigen, um zum Animieren, die Tabletten einzunehmen, zu essen und zu trinken. Und damit sind sie zugleich auch eine große Entlastung für die Pflegekräfte.


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Ein Thema in der "Region am Mittag" am 22.09.2020 auf SR 3 Saarlandwelle

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