Lernen über Tablet (Foto: SR)

Probleme mit Leih-Tablets an den Schulen

mit Informationen von Eva Lippold   28.01.2022 | 12:20 Uhr

In einer Pilotphase beteiligen sich viele Schulen an einer Tablet-Ausleihe. Doch oft blieben die Geräte ungenutzt, berichten Schüler, Lehrer und Eltern. Technische Hürden, Datenschutz- und Anwendungsprobleme sowie ein fehlendes pädagogisches Konzept sorgen für Kritik.

Endlich soll die Digitalisierung an den saarländischen Schulen Fahrt aufnehmen. Die Pläne dazu hat die Bildungsministerin diese Woche vorgestellt: Bis 2024 sollen 137 Millionen Euro in digitale Bildung investiert werden. Ein wichtiger Baustein auf dem Weg sind Leih-Tablets, mit denen Schüler und Lehrer im Saarland bis zu den Herbstferien flächendeckend ausgestattet werden sollen.

Probleme mit Leih-Tablets an den Schulen
Audio [SR 3, Eva Lippold, 28.01.2022, Länge: 03:09 Min.]
Probleme mit Leih-Tablets an den Schulen

Schon in diesem Schuljahr ist die Ausleihe der Geräte in der Pilotphase gestartet - mit den Sechstklässlern an Gemeinschaftsschulen und Gymnasien. Doch der Einstieg ist holprig. Lehrer, Eltern und Schülern beklagen Mängel beim Datenschutz und ein fehlendes pädagogisches Konzept.

Startschwierigkeiten

Monatelang haben sich die Sechstklässler auf die neuen iPads gefreut, jetzt sind sie endlich da. Und liegen doch die meiste Zeit nur herum. Denn im Unterricht genutzt hätten sie die Geräte bisher nicht, berichten Schüler wie der elfjährige Florian vom Saarbrücker Ludwigsgymnasium. Noch fehle das Internet und auch die Lehrer wüssten oft nicht, wofür sie die Geräte einsetzen sollten.

Immerhin sei es ganz praktisch, dass man dank der Geräte nicht mehr so viele Bücher herumschleppen müsse.

Die Sechstklässler vom Ludwigsgymnasium nehmen in der Pilotphase an der "Landesweiten Systematischen Medienausleihe Saar", kurz LSMS teil. Im kommenden Schuljahr sollen alle saarländischen Schüler und Lehrer über das Programm mit Tablets versorgt werden. Als Erstfinanzierung kommen dafür 50 Millionen Euro aus dem Landeshaushalt.

Fehlendes pädagogisches Konzept

Keine Frage, die Geräte seien eine lange geforderte und dringend notwenige Investition, da sind sich im Grunde alle einig. Allerdings, so der Vorsitzende des Philologenverbands, Markus Hahn: Es brauche auch ein pädagogisches Konzept dazu. Und dieses stehe bisher noch aus. Das bestätigte auch die Landeselternvertreterin der Gymnasien, Katja Oltmanns. Ohne ein entsprechendes Konzept und solange die Weiterbildung für Lehrer nur auf Freiwilligkeit beruhe, blieben die Geräte einfach ungenutzt.

Die Landeselternvertreterin berichtet deshalb auch von sehr geteilten Rückmeldungen von Schulen und Eltern - an einigen Schulen würden die neuen Tablets rege im Unterricht genutzt, aber es gebe auch Schulen, an denen die "Tablets nur in der Ecke rumliegen."

Verankerung im Lehrplan erst 2023/24

Bildungsministerin Streichert-Clivot setzt derzeit lieber auf die Kooperation der Lehrer. Im kommenden Jahr sollen sie noch die Möglichkeit bekommen, sich mit den iPads an eigenen Unterrichtskonzepten zu versuchen. Erst im Schuljahr 23/24 soll dann im Lehrplan verankert werden, welche Inhalte mit den Geräten künftig transportiert werden sollen.

Datenschutzprobleme

Der Philologenverband schlägt jetzt jedoch noch aus einem weiteren Grund Alarm: Es gebe gravierende Mängel beim Datenschutz, so Marcus Hahn. Kameras und Mikrophone ließen sich nicht abstellen, Daten würden automatisch in die Cloud internationaler Konzerne hochgeladen, zum Teil fehlten Jugendschutzfilter. Es sei ein haarsträubender Zustand, dass es hierzu noch keine befriedigende Antwort gebe.

Im Bildungsministerium seien diese Vorwürfe bisher noch nicht angekommen, und Datenschutz werde großgeschrieben, sagt dazu Streichert-Clivot. Konfiguriert wird der Datenschutz im Kompetenzzentrum KOMSA der Landkreise. Bei Problemen könne man sich stets an dieses wenden.

Tablets nur als Buchersatz?

Für die Sechstklässler spielt das Thema Datenschutz eher weniger eine Rolle. Sie beklagen vielmehr, dass man mit den Geräten kaum viel mehr machen könne, als Schulbücher lesen. Bisher fehle sogar eine Schreibapp, und auch die versprochenen Stifte und Tastaturen seien noch nicht ausgeliefert.

Ein Thema in der "Region am Mittag" vom 28.01.2022 auf SR 3 Saarlandwelle.

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