Eine Pfelgerin geht mit einer Älterne Dame am Rollator über den Flur eines Pflegeheims (Foto: picture alliance/dpa/Christoph Schmidt)

Großer Unmut im Pflegeheim Schwemlingen

mit Informationen von Peter Sauer   27.01.2022 | 12:20 Uhr

Im Pflegeheim Laurentiushöhe in Schwemlingen für körperlich und geistig behinderte Menschen herrscht großer Unmut. Nicht alle Beschäftigten bekommen eine Corona-Prämie, gleichzeitig steigt die Belastung für Bewohner und Personal. Und auch die Impfpflicht könnte die Lage verschärfen, befürchtet man dort.

In Merzig-Schwemlingen betreibt der Schwesternverband eine vollstationäre Betreuungs- und Pflegeeinrichtung für psychisch und geistig beeinträchtigte Menschen sowie pflegebedürftige Menschen mit entsprechenden Behinderungen. Mit 410 Bewohnern ist die Laurentiushöhe die größte Einrichtung dieser Art im Saarland und durch Corona haben sich die Arbeitsbedingungen für die Pflegekräfte nochmals deutlich verschärft.

Video [aktueller bericht, 27.01.2022, Länge: 5:01 Min.]
Unmut im Pflegeheim Schwemlingen

Corona-Prämie nicht für alle Beschäftigten

Die Corona-Prämie sorgt bei den Verantwortlichen der Laurentiushöhe in Schwemlingen immer noch für viel Gesprächsstoff. 430 Mitarbeitende betreuen und pflegen hier gemeinsam die Bewohner – den Bonus gab es aber nur für die Mitarbeiter, die als Pflegekräfte eingestuft sind, erklärt Betriebsrat Markus Posth: "Die halbe Belegschaft hat Pflegeprämie bekommen, die andere Hälfte nicht." Und das wirke sich natürlich schlecht auf das Arbeitsklima aus.

Ärger um Corona-Prämie im Pflegeheim Schwemlingen
Audio [SR 3, Peter Sauer, 27.01.2022, Länge: 03:13 Min.]
Ärger um Corona-Prämie im Pflegeheim Schwemlingen

Wer im Bereich der Eingliederungshilfe, also der Betreuung psychisch schwer kranker und geistig eingeschränkter Menschen arbeitet, hat den Bonus nicht bekommen. Weil sich die Arbeitsbedingungen durch Corona aber für alle Mitarbeitenden verschlechtert haben, forderte Einrichtungsleiter Michael Berg das saarländische Gesundheitsministerium auf, auch allen die Prämie auszuzahlen. 

Von dort habe man ein Antwortschreiben bekommen, indem es hieß, dass das Saarland momentan leider nicht über die Mittel verfüge, auch den Betreuungskräften diesen Bonus auszahlen zu können, so Berg. Das habe für große Unruhe und Unmut in der Belegschaft gesorgt, als man gesehen habe, dass "sich die saarländischen Landtagsabgeordneten kurz darauf dann trotzdem ihre Diäten erhöht haben."

Gesundheitsministerium beruft sich auf Gesetzeslage

Das Gesundheitsministerium stand für ein Interview hierzu nicht bereit. Schriftlich teilte es auf SR-Anfrage mit:

Die Auszahlung von Bonusprämien hängt im Wesentlichen von der Finanzierung der jeweiligen Einrichtung ab. Beitragsmittel der Versicherten und die hierzu ergänzenden Haushaltsmittel dürfen nur für den Bereich der sozialen Pflegeversicherung verwendet werden. Eine darüber hinaus gehende Zahlung an weitere Versorgungsbereiche ist nicht zulässig und bedarf deshalb grundsätzlich einer bundesgesetzlichen Grundlage."

Die Belegschaft könne diese Begründung nur schwer nachvollziehen, sagt Betriebsrat Posth: "Heute hört man: Landesangestellte sollen 1300 Euro Prämie bekommen. Das mag ja auch gerechtfertigt sein. Aber wir sind immer noch nicht berücksichtigt worden und kein Mensch geht darauf ein.“

Belastung für Belegschaft und Bewohner

Motivation und Stimmung sind seit der ungleichen Auszahlung der Corona-Prämie in der Laurentiushöhe im Keller – der Krankenstand erhöhte sich merklich. Die Pflege und Betreuung von Menschen mit Behinderung ist gerade in Coronazeiten eine besondere Herausforderung.

Seit Pandemiebeginn haben die Mitarbeitenden knapp 70.000 Corona-Tests durchgeführt - inklusive Dokumentation ein erheblicher Mehraufwand und auch eine große Belastung für die Bewohner, sagt Berg. Viele hätten während Corona Psychosen gebildet und das belaste letztlich auch die Mitarbeitenden, "weil die Bewohner ihnen die Schuld für Corona gegeben haben - weil sie kein anderes Ventil hatten."

Von der Politik im Stich gelassen?

Ein Verständnis für Maßnahmen wie das Tragen von Masken kann von den größtenteils geistig beeinträchtigten Bewohnern nicht erwartet werden. Hier hätten sich die Mitarbeiter und Führungskräfte mehr Entgegenkommen und Unterstützung von den Behörden erhofft, sagt Einrichtungsleiter Michael Berg: "Wir haben die Erfahrung gemacht, dass der gewünschte Dialog eher ein Monolog wurde".

Kritik an einrichtungsbezogener Impfpflicht

Trotz aller Widrigkeiten: Bisher können die 410 Bewohner weiter angemessen versorgt werden. Ab 15. März greift aber auch in der Laurentiushöhe die einrichtungsbezogene Impfpflicht. Dadurch könnte sich die Personalsituation weiter zuspitzen.

Einrichtungsbezogene Impfpflicht sorgt für Kritik
Audio [SR 3, Peter Sauer, 27.01.2022, Länge: 03:11 Min.]
Einrichtungsbezogene Impfpflicht sorgt für Kritik

Nach Auskunft der Leitung sind bis dahin etwa 97 bis 98 Prozent der Beschäftigten der Laurentiushöhe geimpft. Einrichtungsleiter Michael Berg sieht die Impfpflicht daher kritisch: "Der Effekt wird sein, dass noch mehr Mitarbeiter sich frustriert dem System Pflege abwenden werden." Drei Prozent mehr geimpfte Mitarbeiter seien eine marginale Steigerung und eine fehlende Impfung "kein Grund Menschen, die vor einem Jahr noch beklatscht wurden, jetzt zu Hause zu lassen."

Personalprobleme könnten sich verschlimmern

Wie nahezu alle Pflegeeinrichtungen in Deutschland ist auch die Laurentiushöhe auf jede Mitarbeiterin und jeden Mitarbeiter angewiesen. Wenn bei 430 Beschäftigten plötzlich zehn wegfallen, bedeutet das mehr Arbeit für die restliche Belegschaft. Der Vorsitzende des Schwesternverbandes Thomas Dane betont, dass die Mitarbeitenden nach zwei Jahren Pandemie ausgezehrt seien. Das Personal sei an seine Grenzen gekommen - das zeige auch der hohe Krankenstand, so Dane.

Die Impfpflicht habe bei vielen seiner Kolleginnen und Kollegen das Fass endgültig zum Überlaufen gebracht, berichtet auch Betriebsrat Markus Posth: Immer mehr Beschäftigte überlegten, zu gehen. Schon heute gebe es viele Lücken im Dienstplan und die Arbeitsbedingungen hätten sich durch Corona nochmals verschlechtert.

Aufwertung des Pflegeberufs gefordert

Es wird deutlich: Der finanziell ohnehin eher unattraktive Pflegebereich zieht mit solchen Rahmenbedingungen nicht gerade neue Fachkräfte an und die Impfpflicht verkleinert die Zahl der verfügbaren Pflegekräfte nochmals. Man dränge so zwei Prozent der Beschäftigten aus der Branche und erwarte auch noch weniger Bewerbungen, schätzt Dane.

Deshalb fordert Posth endlich mehr Anerkennung für den Pflegeberuf: "Also, dieses Klatschen war toll, aber wenn es sich irgendwann mal im Lohn niederschlagen würde, wären alle Mitarbeiter froh."

Ein Thema in der Sendung "Region" am 27.01.2022 auf SR 3 Saarlandwelle.

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja