Pilze im Wald  (Foto: pixabay/stux)

Von Riesenpilzen und harten Nüssen

Katja Preißner   30.10.2020 | 07:12 Uhr

Der Herbst ist da. Das erkennt man daran, dass das dicke Ding im Einkaufswagen nicht mehr Melone, sondern Kürbis heißt. Vorher gibt´s noch ein feines Pilz-Ragout. Damit sie künftig bei Pilzen ein bisschen mit ein paar Kenntnissen angeben können, hat SR-Reporterin Katja Preißner Wissenswertes über Pilze und ein paar Rekorde zusammengetragen.

In Europa sind die wenigsten Pilze giftig
Audio [SR 3, Katja Preißner, 30.10.2020, Länge: 03:51 Min.]
In Europa sind die wenigsten Pilze giftig

Pflanze oder Tier? Es ist kompliziert. Aktuell sagt die Wissenschaft, Trommelwirbel: eher Tier. Denn Pilze können keine Photosynthese und ernähren sich von ihrer Umgebung. Die meisten Pilze haben keinen Tages- und Nachtrhythmus, wären also ideale Schichtarbeiter, sind aber leider verdammt sesshaft, wie Pflanzen.

Was einen Pilz zum Pilz macht, ist übrigens nicht das, was in der Pfanne landet. Das ist nur der Fruchtkörper, und den hat längst nicht jeder Pilz. Nein, es ist das Fadengeflecht, das den Pilz ausmacht. Es kann in oder auf der Erde sein. Das ist der eigentliche Pilzorganismus. Und dieses Myzel kann sich richtig breit machen. Als größter Pilz der Welt gilt ein Hallimasch-Myzel im US-Staat Oregon. Es hat eine Fläche von neun Quadratkilometern, das sind 1200 Fußballfelder. Er wiegt wahrscheinlich 600 Tonnen, das sind mehr als vier Blauwale. Damit gilt dieses Pilzgeflecht auch als das momentan größte Lebewesen der Erde.

Mit Pilzen Politik machen

Den dicksten sichtbaren Pilz, also Fruchtkörper, fand man 2010 in China. Ein Borstenscheibling an einem Baum - zehn Meter lang, fast 90 Zentimeter breit und rund fünf Zentimeter dick. Also kleiner als die Fläche des Saarlands.

Grüner Knollenblätterpilz  (Foto: picture alliance / Bernd Wüstneck/Zentralbild/dpa)
Grüner Knollenblätterpilz

Das ist aber nicht alles, was über Pilze gesagt werden kann. Mit ihnen wurde auch gekämpft. Es gab die Rosenkriege und die Tulpenkris und man unterschätze die Macht der Blumen nicht, aber keiner hat so viele Herrscher abgeräumt und mindestens einen Erbfolgekrieg ausgelöst, wie der "Grüne Knollenblätterpilz". Die prominentesten Todesopfer waren der römische Kaiser Claudius, Papst Clemens der Siebte, Zarin Natalja und Kaiser Karl der Sechste. Das ist der mit dem Erbfolgekrieg. Das bilanzierte Voltaire mit dem schönen Satz: „Dieses Pilzgericht hat das Schicksal Europas verändert.“

Insgesamt gelten aber nur zwei Prozent unserer mitteleuropäischen Hutpilzarten als problematisch, und davon ist nur ein kleiner Teil tödlich giftig. Beim Grünen Knollenblätterpilz reichen aber meist schon 50 Gramm.

Noch ein Wort zu Nüssen

Harmloser sind da die Nüsse. Es sei denn, Ihnen fällt die größte Nuss der Welt auf den Kopf. Das ist die der Seychellenpalme. Einen halben Meter lang und bis zu 45 Kilo schwer.

Paranüsse (Foto: pixabay / pictavio)
Paranüsse

Die härteste Schale hat die Paranuss, die im Internet ganze Foren mit Tipps beschäftigt, wie man sie am besten aufbekommt. Das geht vom Rat, sie erstmal einzufrieren bis hin zu selbstgebastelten Schleudern aus Kleenex-Papprollen und Luftballons, um die Nüsse damit auf den Boden zu schießen.

Vielleicht tröstet der Hinweis, dass die Paranuss in ihrer natürlichen Umgebung bei der Vermehrung auf die Hilfe großer Nagetiere angewiesen ist, die die Schale aber auch nur knacken können, wenn sie vorher von Mikroorganismen angeknockt wurde.

Möglicherweise gehen hier also zwei typische Herbstfrüchte eine Allianz ein: die Nuss und der Pilz. Aber meistens bekommen wir eh nur den relativ weichen Kerl, weil in der Paranuss-Schale ein Schimmelpilz drin ist, der in der Regel den EU-Grenzwert überschreitet und daher in der Heimat bleiben muss.

Über dieses Thema wurde auch in der Sendung "Bunte Funkminuten" auf SR 3 Saarlandwelle am 30.10.2020 berichtet.

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja