Pandemiefolgen für die Kinder

Pandemiefolgen für Kinder und Jugendliche

Steffani Balle   15.03.2021 | 11:30 Uhr

Kinder und Jugendliche sind bislang rein körperlich am wenigsten von der Corona-Pandemie betroffen. Wenn sie infiziert sind, entwickeln sie äußerst selten Symptome und wenn doch, dann haben sie meist nur einen leichten Verlauf der Covid-19-Krankheit. Doch die Probleme für Kinder liegen ganz woanders, warnt der Chefarzt der Kinderklinik auf dem Winterberg in Saarbrücken.

Professor Jens Möller sieht Covid-19 an sich für Kinder als keine gefährliche Krankheit an. Sorgen bereitet ihm etwas ganz anderes. So sei zum Beispiel eine Zunahme von Unfällen zu beobachten, hinter denen auch häusliche Gewalt stecken könnte. Und es gebe eine deutliche Zunahme von Erkrankungen, die einfach viel zu spät behandelt würden - zum Beispiel verschleppte Diabetes-Erkrankungen oder durchgebrochene Blinddarm-Entzündungen. Und das alles nur, um in der Notaufnahme nicht mit anderen Patienten warten zu müssen.

Eine Welle von medizinischen Problemen

Für die Familien spiele derzeit der Faktor "Angst" eine ganz große Rolle, sagt der Chefarzt der Kinderklinik auf dem Winterberg Saarbrücken. Auch ambulante Termine würden nicht wahrgenommen. Ganz extrem sei dies beispielsweise bei den Vorsorgeuntersuchungen der Fall. Das sei bezüglich der Früherkennung von medizinischen Problemen ein riesiges Problem. "Wir schieben da eine große Welle von medizinischen Problemen vor uns her", so Möller.

Wenige Patienten aus sozialen Problemstrukturen

Zudem sei es problematisch, dass die Patienten, die kämen, meist aus der Mittelschicht stammten, sagt Möller, der sich auch beim Kinderschutzbund engagiert. "Wir haben ganz wenige Patienten aus sozialen Problemstrukturen, die sonst eigentlich Kinderkliniken und Medizin intensiv nutzen." Das führe dazu, dass auch alle Ansätze, um Problemkinder zu identifizieren und früh Hilfe zu initiieren, dadurch verloren seien.

Möller befürchtet, dass die derzeit unerkannten Problemfälle massiv zu Tage treten, wenn das Korrektiv durch Lehrer und schulische Betreuer wieder greife.

Auch die Kinder- und Jugendärzte müssen sich vorbereiten

Kurzsichtigkeit durch das ewige Starren auf digitale Endgeräte, Übergewicht durch Bewegungsmangel, soziale und emotionale Verwahrlosung, weil Freundschaften nicht gelebt werden können: Auf all das, mahnt Möller, müssten sich Kinder- und Jugendärzte jetzt vorbereiten, um es dann aufzufangen, wenn es sich im allmählich zurückkehrenden Alltag zeigt.


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Ein Thema in den "Bunten Funkminuten" am 15.03.2021 auf SR 3 Saarlandwelle

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