Das Grenzschild "Luxemburg" an einer Autobahn. (Foto: picture alliance/Ulrich Baumgarten)

Russische Oligarchen in Luxemburg

Sven Behrmann   21.03.2022 | 16:30 Uhr

London ist die Haupt-Drehscheibe für Finanzgeschäfte von Oligarchen. Aber auch über Luxemburg werden seit vielen Jahren Milliarden-Geschäfte der russischen Oligarchen abgewickelt. Recherchen des investigativen Reporter-Netzwerks "reporter.lu" und namentlich von Luc Caregari haben ergeben, dass russisches Geld oftmals über Luxemburg nach Zypern transferiert wird.

"Zypern ist bekannt dafür, erster Anlaufpunkt zu sein für russisches Geld, und das schon seit Jahrzehnten", sagt Caregari. Das sei schon vor dem Fall der Mauer so gewesen. Dabei sei Luxemburg nicht unbedingt der Ort, wo das Geld ankomme. Luxemburg sei eher Zwischenstation.

Audio

Russische Oligarchen in Luxemburg
Audio [SR 3, Sven Behrmann, 21.03.2022, Länge: 02:51 Min.]
Russische Oligarchen in Luxemburg

Russische Bank gehört plötzlich zypriotischen Gesellschaften

In Luxemburg ansässig ist die russische Bank "Russia Commercial Bank". Einen Tag nach der Ankündigung der EU, Sanktionen gegen russische Oligarchen zu verhängen, war im luxemburgischen Handelsregister zu lesen, dass die Bank jetzt zwei zypriotischen Gesellschaften gehört. Luc Caregari sieht darin ein Anzeichen dafür, "dass diese Leute wussten, dass die Sanktionen kommen würden." Sie hätten sich deshalb einen Plan ausgedacht, "wie sie weiter funktionieren können, auch wenn ein Teil des Kapitals der Bank sanktioniert ist."

Oligarch Fridmann: Immer unter 50 Prozent Anteilseignerschaft

Michail Fridman, einer der reichsten Russen, ist nach Recherchen von Luc Caregari in Luxemburg geschäftlich so präsent wie kein anderer der sanktionierten Oligarchen. Demnach besitzt Fridman Anteile von über 60 Gesellschaften, die in Luxemburg gemeldet sind. Allein „LetterOne“ verwaltet laut ihrem letzten Finanzbericht sieben Milliarden Euro Kapital. Bei seinen Beteiligungen sorgt die Höhe der Anteile dafür, dass die Sanktionen den Oligarchen nicht treffen, so Caregari. Laut Handelsregister besitze er bei allen Firmen weniger als 50 Prozent, meistens sogar unter 40 Prozent, sagt Caregari. "Das heißt, dass er nach EU-Recht eigentlich nicht richtig sanktionierbar ist, weil er über 50 Prozent dafür haben müsste."

Lässt Luxemburg die Oligarchen einfach gewähren?

Das luxemburgische Finanzministerium wollte sich auf SR-Anfrage nicht zu dem Thema äußern. Die Luxemburgische Finanzaufsicht hat lediglich mitgeteilt, sie werde in den kommenden Wochen „selektiv und mit einem risikobasierten Ansatz Kontrollen vor Ort durchführen“.

Anders als beispielsweise in Frankreich oder in Italien ist in Luxemburg bisher keine Beschlagnahmung von Oligarchen-Eigentum bekannt. Sogar die luxemburgische Filiale der Gazprombank darf weitermachen, wundert sich der Journalist von "reporter.lu". Die luxemburgische Finanzministerin Yuriko Backes hätte in einem Radiointerview erklärt, dass die Gazprombank aktuell nicht sanktionierbar sei, weil viele Gasgeschäfte über diese Bank abgewickelt würden und dies das Land vor ein Energie-Problem stellen würde, so Caregari.

"Man sieht ziemlich viel Bewegung im Handelsregister"

Trotz allem: Einen gewissen Effekt haben die EU-Sanktionen gegen Oligarchen auch in Luxemburg, erkennt Luc Caregari an. "Man sieht ziemlich viel Bewegung im Handelsregister, man sieht Rücktritte, man sieht teilweise freiwillig eingefrorene Vermögenswerte, man sieht Rückzieher bei Investoren."

Über die Langzeitwirkung könne man zwar nur spekulieren, aber es sei erkennbar, "dass ihnen das Leben sicherlich schwieriger gemacht worden ist", sagt der "reporter.lu"-Journalist. Ob so sehr, dass sie den russischen Präsidenten drängen könnten, den Krieg in der Ukraine zu beenden? Diese Hoffnung haben zumindest viele Menschen - auch in Luxemburg.

Weitere Informationen: www.reporter.lu/author/luc-caregari/

Video

Verstrickt: Luxemburg und die russischen Oligarchen
Video [SR Fernsehen, (c) SR, 21.03.2022, Länge: 04:35 Min.]
Verstrickt: Luxemburg und die russischen Oligarchen
Luxemburg ist immer noch ein Steuerparadies – bislang auch für russische Oligarchen. Der luxemburgische Investigativ-Journalist Luc Caregari von reporter.lu hat recherchiert welche Schlupflöcher finanzkräftige Russen trotz der EU-Sanktionen nutzen können.

Ein Thema in der "Region am Nachmittag" am 21.03.2022 auf SR 3 Saarlandwelle

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja