Entwurf für das Mahnmal vor der Saarbrücker Synagoge (Foto: SR/Patrick Wiermer)

Neues Mahnmal vor Saarbrücker Synagoge

mit Informationen von Patrick Wiermer   27.09.2019 | 16:15 Uhr

Das Gedenken an rund 2000 jüdische Opfer der Nazi-Zeit bekommt in Saarbrücken einen neuen Platz. Auf dem Vorplatz der Synagoge am Beethovenplatz entsteht ein Mahnmal. Am 27. September wurde der Siegerentwurf vorgestellt. Er soll nicht zuletzt auch einen Schlussstrich im Streit um das Gedenken in Saarbrücken ziehen.

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Ein geschwungenes Band aus Namen als Mahnmal
Audio [SR 3, Patrick Wiermer, 27.09.2019, Länge: 02:55 Min.]
Ein geschwungenes Band aus Namen als Mahnmal

Die Entscheidung war eine schwierige: 100 Entwürfe zur Gestaltung des Synagogenvorplatzes in Saarbrücken waren eingereicht worden. Die meisten Entwürfe sahen Tafeln mit den Namen vor. Andere spielten mit jüdischer Symbolik. Wieder andere wollten wuchtige Gedenkräume schaffen. Am Ende bekam der Entwurf von Mannstein und Vill aus Berlin den Zuschlag.

1919 Namen, 1919 Schicksale

Ein geschwungenes Band aus Namen, durchsichtig, massiver Stahl, 2,50 Meter hoch, 16 Meter lang – und trotzdem zerbrechlich wirkend - so sieht der Siegerentwurf aus. Er überzeuge durch seine klare, formale Setzung, seine Verknüpfung von Namen und Wand sowie dadurch, dass er ohne missverständliche Symbolik auskomme und eine Art Link zwischen Stadt, Vorplatz und Synagoge bilde, fasst der Architekt Wolfgang Lorch das Urteil der Jury zusammen.

Video [aktueller bericht, 27.09.2019, Länge: 3:26 Min.]
Neues Mahnmal in Gedenken an saarländische Opfer der Nazidiktatur genehmigt

Über drei Jahre hatte Richard Bermann, der Vorsitzende der Synagogengemeinde Saar, nach den Namen der jüdischen NS-Opfer recherchiert. Namen, die nicht in Vergessenheit geraten dürfen, denn "ein Mensch ist erst dann vergessen, wenn sein Name vergessen ist". Auf dem neuen Mahnmal vor der Saarbrücker Synagoge werden 1919 Namen jüdischer NS-Opfer im Saarland zu sehen sein. Und das Namensband kann erweitert werden, wenn sich noch weitere Namen von Opfern finden. Es wird klar: Dieses Mahnmal zieht keinen Schlussstrich unter die Geschichte.

Es ist aber ein Schlussstrich unter einen sechs Jahre andauernden Streit zwischen Synagogengemeinde und Stadt um das Gedenken an die NS-Geschichte. Die Synagogengemeinde wollte 2013 eine Gedenktafel mit den Namen der Opfer an der Freitreppe der Berliner Promenade anbringen lassen. Der Stadtrat hatte sich dagegen ausgesprochen. Rund 400.000 Euro soll das Mahnmal kosten, finanziert wird es zur Hälfte von Land und Stadt.

Ein Thema in der Sendung "Region am Nachmittag" vom 27.09.2019 auf SR 3 Saarlandwelle.