In einem Büro hängt ein großes Kreuz an der Wand. (Foto: picture alliance / dpa | Uwe Zucchi)

"Wir fragen nicht mehr danach, wie jemand privat lebt"

Simin Sadeghi im Gespräch mit Benedikt Welter   23.11.2022 | 16:15 Uhr

Das Privatleben von Geschiedenen, Homosexuellen und queeren Menschen soll laut Beschluss der Deutschen Bischofskonferenz künftig kein Kündigungsgrund oder Einstellungshindernis mehr sein. Benedikt Welter, Direktor der Caritas im Bistum Trier, begrüßt im SR-Interview die Entscheidung.

Das Privatleben der Beschäftigten in kirchlichen Einrichtungen soll künftig den Arbeitgeber nichts mehr angehen. Das betrifft vor allem geschiedene und homosexuelle Menschen. Ihnen konnte in dem strengen Arbeitsrecht der katholischen Kirche bisher gekündigt oder eine Einstellung verweigert werden. Was sich für die Beschäftigten im Saarland dadurch konkret ändert, erklärt im SR-Interview Benedikt Welter. Er ist Direktor der Caritas im Bistum Trier, der größte kirchlichen Arbeitgeber im Saarland.

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"Wir fragen nicht mehr danach, wie jemand privat lebt"
Audio [SR 3, Interview: Simin Sadeghi / Benedikt Welter, 23.11.2022, Länge: 03:17 Min.]
"Wir fragen nicht mehr danach, wie jemand privat lebt"

"Das Arbeitsrecht hat sich grundsätzlich geändert"

Welter begrüßt den Beschluss der Deutschen Bischofskonferenz. Hiermit sei eine grundsätzliche Änderung im kirchlichen Arbeitsrecht gelungen - mit der Zielsetzung, ein attraktiverer Arbeitgeber zu werden, so Welter. Künftig spiele das Privatleben der Beschäftigten auch kirchenrechtlich keine Rolle mehr.

Aber auch schon zuletzt sei es so gewesen, dass Abmahnungen oder Entlassungen aufgrund der privaten Lebensweise selten ausgesprochen worden seien. Hier sei ein anderes Denken eingetreten. In diesem Prozess befinde man sich seit Längerem.

Video [aktueller bericht, 23.11.2022, Länge: 3:41 Min. ]
Kirchliches Arbeitsrecht wird liberalisiert

"Der Fachkräftemangel gilt für alle"

Auch die kirchlichen Arbeitgeber hätten mit Fachkräftemangel zu kämpfen, sagt Welter. Insbesondere bei den Pflegediensten und Pflegeeinrichtungen bekomme man das zu spüren. Man stelle zum Beispiel mittlerweile auch Mitarbeiter muslimischen Glaubens ein. Wichtig sei nur, dass die Bewerber sich "mit dem identifizieren können, wofür die Caritas steht".

Hintergrund

tagesschau.de
Kirche stärkt Rechte queerer Beschäftigter
Wer für die katholische Kirche arbeitet, war bislang einem strengen Arbeitsrecht unterstellt. Auch das Privatleben konnte zum Kündigungsgrund werden. Doch nun haben die Bischöfe Änderungen beschlossen.

Ein Thema in der Sendung "Region am Nachmittag" vom 23.11.2022 auf SR 3 Saarlandwelle.

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