Behindertes Kind (Foto: dpa)

Neues „Inklusionsbündnis Saar“ will Druck machen

Steffani Balle   05.05.2022 | 16:15 Uhr

Alle Menschen haben das Recht, in allen öffentlichen Bereichen des Lebens teilzuhaben - egal ob sie eine Behinderung haben oder nicht. So schreibt es die UN-Charta vor. In der Praxis funktioniert das bei weitem aber nicht immer. Das will ein neues Bündnis im Saarland ändern - ein Zusammenschluss von Lebenshilfe, ADFC, Landesjugendring, Special Olympics und anderen Organisationen.

Für Eltern von behinderten Kindern ist es oftmals nicht leicht, einen Job zu finden. Arbeitgeber haben Vorbehalte. Behinderte Kinder müssen häufiger zu Hause betreut werden als andere. Und das stimmt sogar - aber nicht, weil die Kinder grundsätzlich häufiger krank sind. Das Problem ist die Betreuung.

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Neues Inklusionsbündnis Saar will Druck machen
Audio [SR 3, Steffani Balle, 02.05.2022, Länge: 03:03 Min.]
Neues Inklusionsbündnis Saar will Druck machen

Bei Sabine, deren Tochter wegen eines Gen-Defekts schwer behindert ist, ist die Förderschule unter der Woche von 8.00 bis 15.00 Uhr geöffnet, freitags sogar nur bis 12.15 Uhr. Das mit einem normalen Arbeitsalltag zu vereinbaren, ist kaum möglich.

"Es gibt keine Nachmittagsbetreuung für Kinder und Jugendliche, die in Förderschulen betreut werden und die eine Behinderung haben", sagt Birgit Quien, zweite Vorsitzende der Lebenshilfe Saarbrücken. "Das ist skandalös - und auch unter dem Aspekt 'Vereinbarkeit von Familie und Beruf' sind das untragbare Zustände", sagt sie.

Keine Ferienbetreuung durch Integrationshelfer

Besonders problematisch wird es in der Ferienzeit. Sabine arbeitet als Hauswirtschaftskraft in einer Saarbrücker Grundschule und ihre Arbeit geht auch während der Schulferien weiter. Die Betreuung an der Förderschule jedoch nicht. "Die Integrationshelfer werden während der Sommerferien als arbeitsuchend gemeldet", sagt sie. "Warum kann man die nicht fest einstellen und dann eine Ferienbetreuung organisieren? Ich verstehe das nicht."

Bündnis will Druck machen

Und das ist nur einer der Missstände, gegen die das neue „Inklusionsbündnis Saar“ vorgehen will. Das Bündnis hat es sich zum Ziel gemacht, bei den Forderungen nach Gleichbehandlung mehr Druck zu machen. Denn obwohl sich der Landtag im November 2021 die Probleme angehört hat, obwohl es einen Landesbehinderten-Beauftragten gibt und Referate im Sozial- und Bildungsministerium, die sich um Inklusion und Integration kümmern sollen: "Es passiert konkret an realer Umsetzung zu Teilhabe wenig", so Birgit Quien von der Lebenshilfe.


Deutschlandweiter Aktionstag am 5. Mai


Vor 30 Jahren protestierten Menschen mit Behinderung zum ersten Mal, um darauf aufmerksam zu machen, dass sie immer noch nicht wirklich ein Teil der Gesellschaft sind. Sie prangerten viele Benachteiligungen an - und müssen es bis heute tun.

Inklusionstag 5. Mai
www.lebenshilfe-sb.de
www.aktion-mensch.de

Deshalb gibt es den Europäischer Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen. Er findet alljährlich am 5. Mai statt. Die Aktion Mensch veranstaltete dazu einen deutschlandweiten Aktionstag. Das „Inklusionsbündnis Saar“ war mit dabei - mit Musik, Moderation in leichter Sprache und jeder Menge Info-Tafeln auf dem Landwehrplatz in Saarbrücken. "Unsere Forderungen werden dort sichtbar gemacht und wir werden damit auch die neue Landesregierung beschäftigen", so Birgit Quien.

Ein Thema in der "Region am Nachmittag" am 02.05.2022 auf SR 3 Saarlandwelle

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