Neue Kinder- und Jugendpsychiatrie auf dem Sonnenberg (Foto: Lena Schmidtke)

Mehr Ärzte, mehr Betreuung, weniger Wartezeiten

Lena Schmidtke   09.07.2022 | 11:07 Uhr

Die SHG-Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Kleinblittersdorf ist durch ein Hochwasser unbewohnbar geworden. Ein Neubau musste her. Vor zwei Jahren gab’s den Spatenstich in Saarbrücken am Sonnenberg. Jetzt wurde das neue Gebäude in Betrieb genommen.

Mehr Ärzte, mehr Plätze, mehr Betreuung, weniger Wartezeiten
Audio [SR 3, Lena Schmidtke, 09.07.2022, Länge: 02:57 Min.]
Mehr Ärzte, mehr Plätze, mehr Betreuung, weniger Wartezeiten

Kinder können sich auspowern

Selbstverletzung, Depression, Drogensucht, Schizophrenie, Zwangsstörungen – die gibt es nicht nur bei uns Erwachsenen, sondern auch bei Kindern- und Jugendlichen. Seit Anfang Juni werden die ersten jungen Patienten am Sonnenberg behandelt.

Insgesamt 204 Zimmer auf 3600 Quadratmeter umfasst die Kinder- und Jugendpsychiatrie, mit Spielplatz, einem Garten der Sinne, Musikzimmer, Räumen mit Werkbänken, einer Sporthalle und einem Skillsraum. Dort können sich die Jugendlichen auf einem Ergometer, Fahrräder oder beim Tischtennis auspowern. Chefärztin Eva Möhler sagt, Kinder müssten was tun, könnten nicht immer nur reden. „Deswegen sind viele Angebote wichtig.“

Störungen weltweit angestiegen

15 tagesklinische Plätze gibt es, 39 stationäre. Damit können hier 14 Kinder und Jugendliche mehr unterkommen als in der alten Klinik in Kleinblittersdorf. Das sei gerade wegen der Coronasituation wichtig, meint Möhler. „Essstörungen, Zwangsstörungen, Depressionen sind deutschlandweit stark angestiegen, und das sehen wir auch.“

Geringere Wartezeiten

Die Wartezeiten seien früher mit acht bis neun Monaten unzumutbar gewesen. „Für ein Kind etwas, das wegen einer Störung nicht in die Schule gehen kann, eine Katastrophe!“
Seit dem 1. Juni nimmt die SHG Kinder- und Jugendpsychiatrie am Sonnenberg Patienten auf. Derzeit ist sie zu 80% ausgelastet, wird aber bald voll sein, meint Eva Möhler. Wartezeiten werde es deshalb weiterhin geben, wahrscheinlich von etwa drei Monaten.

 „In akuten Fällen sind wir schneller, in akuten Notfällen nehmen wir Tag und Nacht auf. In den anderen Fällen ist immer noch so, dass Menschen warten müssen, aber für die größte Not haben wir ein Ventil gefunden.“

Mehr Pflegepersonal

Pro Jahr sollen rund 400 Kinder und Jugendliche stationär, 100 teilstationär und zusätzlich 800 ambulant behandelt werden können. Dafür gibt es auch mehr Personal: statt wie bisher sechs Ärzte gibt es jetzt acht, dazu mehr Psychotherapeuten, mehr Pflegepersonal. Durch die Lage am Sonnenberg gibt es aber auch bessere Behandlungsmöglichkeiten.

 „Wir können alles nutzen, was hier etwa an neurologischer Diagnostik vorhanden ist. Neuropsychologie, Neurophysiologische Behandlungen, Schlaf-EEG – was in Kleinblittersdorf sehr kompliziert war. Da haben wir einen bessern Zugriff drauf.“

Gut investiertes Geld

Etwa 15 Millionen Euro hat die neue Kinder- und Jugendpsychiatrie gekostet, das Gesundheitsministerium hat mit neun Millionen Euro gefördert. Die seien gut investiert, meint Chefärztin Eva Möhler. Der Neubau komme besonders im Hinblick auf Corona: „Genau zum richtigen Zeitpunkt.“

Ein Thema in der Sendung "Region am Mittag" am 09.08.2022 auf SR 3 Saarlandwelle

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