Schwalben im Saarland (Foto: SR)

Leben mit Fledermaus und Schwalbe im Haus

Julia Becker / Onlinefassung: Axel Wagner   25.06.2019 | 12:35 Uhr

Die Naturwacht Saarland bietet am kommenden Freitag einen Vortrag rund um das Thema gebäudebrütende Arten und artenschutzrechtliche Belange an. Klingt kompliziert – aber dabei geht es einfach nur um die Fledermaus im Dachgebälk, Schwalben unter dem Dachüberstand oder ein Hornissen-Nest im Gartenhaus.

Wenn man die Tiere einfach entfernt, etwa weil sie bei einem Umbau oder einer Renovierung stören, können rechtliche Konsequenzen drohen. Umweltjuristin Maike Ilona Kind und Ranger Henning Schwartz von der Naturwacht Saarland setzen sich für geschützte Arten ein und wollen Menschen helfen, an deren Häuser Vögel nisten oder Insekten ihre Nester gebaut haben.

Artenschutz muss beachtet werden

Leben mit Fledermaus und Schwalbe im Haus
Audio [SR 3, Julia Becker, 25.06.2019, Länge: 03:20 Min.]
Leben mit Fledermaus und Schwalbe im Haus

„Es gibt im Saarland eine sogenannte Biodiversitätsstrategie, auch für den Siedlungsbereich“, sagt Henning Schwartz. Diese werde strikt verfolgt und gefördert. Sie soll das Bewusstsein für das Thema in der Bevölkerung schärfen. Blühende Pflanzen im Garten, die Fledermaus im Dachgebälk oder auch die Hornisse im Gartenhaus, sofern keine Gefahr besteht – all das soll zugelassen werden. „Es ist halt sehr wichtig, dass man den Artenschutz früh genug bei der Planung und Umsetzung von diesen Vorhaben mit einbezieht“, so Maike Ilona Kind.

Häuser, in denen Schwalben leben bekommen sogar eine Plakette vom Nabu und dem Umweltministerium: „Schwalben erwünscht“. Hier funktioniert das Miteinander von Mensch und Tier noch ganz gut. Anders sieht es vielleicht bei Hornissen und Wespen aus.

Gefahr richtig einschätzen

Wenn die Insekten allerdings einige Meter weit weg vom Haus leben, geht von ihnen keine Gefahr aus, sagt Maike Kind. „Wenn man die in Ruhe lässt, greifen die auch nicht an. Und auch so dieses Ammenmärchen, dass drei Hornissenstiche tödlich sein können, ist überholt und Angstmacherei.“ Was aber wenn ein Wespennest in einem Kindergarten auftaucht oder Tiere direkt über einem Hauseingang brüten? Dann sollte man etwas tun. Das heißt aber nicht, die Nistplätze einfach zu entfernen oder gar zu zerstören.

Die zuständige Behörde ist gefragt. „Das Landesamt für Umwelt- und Arbeitsschutz ist da zu informieren und auch mit ins Boot zu nehmen“, so Schwartz. „Man kann die Tiere möglicherweise umsiedeln. Oder die Sanierung kann erst zur Winterzeit oder im Spätsommer stattfinden.“

Leben und leben lassen

Gerade in der Brut und Setzzeit von März und September gilt: Sicher gehen, dass man die Tiere nicht stört, auch wenn sie im eigenen Garten oder am Haus ansässig geworden sind. Selbst wenn Bauarbeiten am Haus sogar verschoben werden müssen: Ein Hornissennest zum Beispiel einfach so entfernen, damit man schalten und walten kann wie man möchte, ist schlicht verboten. „Man kann mit Freiheitsstrafen bestraft werden, und das kann bis zu 50.000 Euro kosten, je nachdem, was es für eine Art ist“, so die Juristin Kind. Leben und leben lassen, lautet das Motto.

Lästige Besucher
Mit Wespen leben, statt sie zu entfernen
Wer ein Wespen- oder Hornissennest im eigenen Haus oder Garten entdeckt, hat zunächst reflexartig oft nur einen Gedanken: weg damit. Wespenexpertin Wega Kling rät im Gespräch mit SR.de dazu, sich lieber mit den Tieren zu arrangieren, statt sie zu vertreiben.

Der Vortrag über gebäudebrütende Arten und artenschutzrechtliche Belange findet am Freitag statt, im Waldinformationszentrum beim Forsthaus Neuhaus um 18 Uhr. (28. Juni 2019, von 18 bis ca. 20 Uhr). Der Eintritt ist frei.

Über dieses Thema haben auch die Bunten Funkminuten auf SR3 vom 25.06.2019 berichtet.

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