Naßweiler bremst Raser und Kriminelle aus

Nassweiler bremst Raser und Kriminelle aus

Lena Schmidtke   14.12.2020 | 13:00 Uhr

Autotuning und Raserei, Raubüberfälle, Brandanschläge und andere Kriminalfälle – das klingt eher nach „Alarm für Cobra 11“ als nach etwas, was bei uns im Saarland passiert. Tatsächlich tut es das aber, und zwar im Großrosseler Ortsteil Naßweiler. Direkt an der Grenze zu Frankreich verläuft hier die Straße „Bremerhof“, die ein richtiger Brennpunkt geworden ist. Die Gemeinde will dem nun ein Ende machen.

"Ich steh morgens mit meinem Enkel da, wir wollten in die Schule. Kam ein Auto runtergerast. Ich hab ihm ein Handzeichen gegeben, dass er langsamer machen soll. Er fährt vor uns, bleibt stehen und spuckt uns beide an! Dann hat er Gas gegeben, Finger rausgestreckt und weg war er.“

Geschichten wie diese kann Guido viele erzählen. Als Anwohner der Straße „Bremerhof“ in Großrosseln-Naßweiler erlebt er tagtäglich die Raserei, genauso wie Nachbarin Simone. Dort, wo sie wohne, erreichten die Autos eine Geschwindigkeit von bis zu 140 Stundenkilometern, sagt sie. Und das in einer 30er-Zone.

Fahrbahnschwellen gegen die Raserei

Nun macht die Gemeinde der Raserei ein Ende. Insgesamt vier Fahrbahnschwellen wurden auf der fast einen Kilometer langen, schnurgeraden Straße "Bremerhof" montiert. Die höchsten, die möglich seien, sagt Bürgermeister Dominik Jochum (CDU). Und sie zeigen Wirkung. Die Schwellen bremsen die Raser wirklich runter, so die ersten Erfahrungen.

Zusätzliche Einrichtung einer Sackgasse

Straßensperre in Nassweiler  (Foto: SR/Lena Schmidtke)

Die Straße „Bremerhof“ verläuft parallel zur „Rue Nationale“ an der französischen Grenze. Zusätzlich zu den Fahrbahnschwellen hat die Gemeinde nun eine Sperrung eingerichtet und die Straße so zur Sackgasse gemacht. Dadurch soll auch die Kriminalität in Naßweiler etwas eingedämmt werden.

Es gebe hier viele kleine Bars, Kioske, Getränke- und Zigarettengeschäfte und die Grenze nach Frankreich sei nur ein schmaler Grünstreifen, sagt Bürgermeister Jochum. Raubüberfälle auf die kleinen Geschäfte seien hier keine Seltenheit, auch Brandanschlägen und Körperverletzung habe es in der Vergangenheit gegeben, und die Flucht über die Grenze sei bisher ohne große Hindernisse möglich gewesen. Und wenn die Täter erst einmal über die Grenze sind, wird eine Verfolgung durch die Polizei schwierig.

Die Sperrung und vor allem die Bodenschwellen sorgen nun dafür, dass Täter mit Autos nicht mehr so schnell über die Grenze flüchten können. Zudem wolle die deutsche und französische Polizei jetzt verstärkt zusammenarbeiten und die Polizeipräsens allgemein verstärken, so Bürgermeister Jochum.

Ob durch die Maßnahmen die Delikte wirklich zurückgehen, wird die Zukunft zeigen. Gegen die Raserei haben sie auf jeden Fall schon mal geholfen.

Ein Thema in der "Region am Mittag" am 14.12.2020 auf SR 3 Saarlandwelle

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