Räuchergefäß (Foto: SR/Lena Schmidtke)

Von Räucher-Reinigungen und Traumtagebüchern

Lena Schmidtke   27.12.2021 | 09:45 Uhr

Weihnachten, Silvester, der Beginn des neuen Jahres – für viele von uns eine Zeit der Besinnlichkeit und der Ruhe, aber auch des Umbruchs. Das alte Jahr geht, ein neues beginnt. In diese Zeit fallen auch die sogenannten „Rauhnächte“ - und um diese ranken sich Mythen und Riten.

„Früher, als die Menschen auf dem Feld oder im Bergbau gearbeitet haben, war die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr die Zeit der Ruhe. Die Natur hat geruht. Und dadurch die Menschheit auch", sagt Elisabeth Pintarelli von der vhs St Ingbert. Die Rauhnächte gegen vom 25. Dezember bis 5. Januar. Zwölf Nächte also, "die dann auch für die zwölf Monate des neuen Jahres stehen", so Pintarelli.

Von Räucher-Reinigungen und Traumtagebüchern
Audio [SR 3, Lena Schmidtke, 27.12.2021, Länge: 04:06 Min.]
Von Räucher-Reinigungen und Traumtagebüchern

Elisabeth Pintarelli gibt Workshops und Seminare zu den Rauhnächten und praktiziert sie seit vielen Jahren selbst. Im Mittelpunkt der Rauhnächte steht vor allem das Räuchern. Elisabeth Pintarelli hat dafür ein Schwenkräuchergefäß, wie man es auch aus der Kirche kennt. Eine Kohletablette und Harz sorgen für den Rauch und damit geht es dann jeden Abend in aller Ruhe durch die Räume im Haus, um sie von schlechten Gedanken und bösen Geistern zu reinigen. Es ist im Grunde eine Art Meditation. Es gehe darum, mit dem Alten abzuschließen und Resümee zu ziehen. "Was war gut? Was war nicht so gut? Was will ich zurücklassen?“

Nach der Räucherung wird gut gelüftet – alles Schlechte kann so quasi den Raum verlassen.

Die Träume

Traumtagebuch (Foto: SR/Lena Schmidtke)

Auch die Träume während der Rauhnächte spielen für Pintarelli eine große Rolle. Die Träume sollen eine Art Vorschau für die kommenden zwölf Monate sein. Pintarelli schreibt deshalb alle Träume während dieser Nächte so detailliert wie möglich auf, denn die Träume sollen eine Art Vorschau für die kommenden zwölf Monate des Jahrs sein. Dabei steht der Traum der ersten Nacht für den Januar und so weiter.

Wunschzettel

Auch Wunschzettel gehören bei Pintarelli ins Rauhnächte-Repertoire. Sie schreibt genau 13 Stück davon. Jeden Abend wird ein Wunschzettel verdeckt genommen und verbrannt. Am Ende bleibt einer übrig - und diesen Wunsch müssen wir uns selbst erfüllen. „Ich verbringe viel zu wenig Zeit mit meinem Hund. Da habe ich mir gewünscht, dass ich mehr Zeit mit ihm verbringen will. Dieser Wunschzettel blieb übrig und in dem Jahr hab ich dann angefangen mit Hundesport. Das tat uns beiden sehr gut“, sagt sie.

Das Jahr ohne Ballast beginnen

Außerdem sollte während der Rauhnächte aufgeräumt, Schulden beglichen und Streit geschlichtet werden – damit das neue Jahr ohne Ballast starten kann.

Wäsche waschen ist tabu

Es gibt natürlich auch ein paar No-Gos während Rauhnächte. Dazu gehört beispielsweise das Wäsche waschen. Das sollte man während dieser Tage lassen, damit sich in der zum Trocknen aufgehängten Wäsche keine bösen Geister verfangen.

Ein Thema in den "Bunten Funkminuten" am 27.12.2021 auf SR 3 Saarlandwelle

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