Immigra (Foto: Patrick Wiermer/SR)

Klima und Ton werden rauer

Mit Informationen von Patrick Wiermer   25.09.2019 | 16:23 Uhr

Bei der Messe Immigra in Saarbrücken tauschten sich am Dienstag Migranten und Vertreter von Migrantenorganisationen aus dem Saarland aus. Ein Schwerpunkt: Wie geht man mit Diskriminierung im Alltag um? Denn das Klima und der Ton gegenüber Migranten werden offenbar immer rauer.

„Es ist schon erschreckend, wie entmenschlicht und herabgewürdigt bestimmte Gruppen behandelt werden“, sagt Christina Giannoulis, die den Kurs leitet. Dazu zählt sie auch Politiker und Journalisten. „Die Gruppen, gegen die sich Hass und Abwertung wenden, haben auch zugenommen.

Bruch in der Gesellschaft

Diskriminierung von Migranten im Alltag
Audio [SR 3, Patrick Wiermer, 25.09.2019, Länge: 02:59 Min.]
Diskriminierung von Migranten im Alltag

Vor zehn Jahren habe es einen Bruch gegeben, sagt sie. Sie erlebe, dass heute Dinge gesagt werden, die damals noch undenkbar waren: offene Diskriminierung und Hass, vor allem in sozialen Netzwerken aber auch am Arbeitsplatz und in der Freizeit.

Giannoulis arbeitet als Juristin bei der Beratungsstelle für Opfer von Diskriminierung und rechter Gewalt in Saarbrücken. Hier hat sie regelmäßig mit Fällen wie diesem zu tun: Eine Frau mit Migrationshintergrund war als Vorgesetzte in einem Unternehmen tätig. Ihr Deutsch war korrekt, hatte aber einen Akzent. Ein Angestellter respektierte sie nicht und widersetzte sich ihren Anordnungen. In einem Brief, schildert Giannoulis, habe er seiner Vorgesetzten geschrieben: „Bevor Sie mir überhaupt etwas sagen, lernen Sie erst einmal richtig Deutsch.“

Giannoulis: Viel zu wenige klagen

Die Juristin berichtet auch vom Fall eines Geflüchteten, der eine Wohnung gesucht habe. Jemand habe ihm eine schöne Wohnung versprochen, in der zugesandten Datei befand sich aber nur ein Bild von einem Mülleimer.

Ein weiterer Mann wollte klagen, weil er nicht in eine Saarbrücker Disco durfte – aus rassistischen Motiven, wie er vermutet. Die Beratungsstelle half ihm bei der Klage. „Es klagen viel zu wenig Menschen“, so Giannoulis.

Über dieses Thema hat auch die SR 3 Region am Nachmittag vom 25.09.2019 berichtet.

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