Ute Förster (Foto: SR)

Von Sachsen-Anhalt nach Bexbach

Mit Informationen von Alexander M. Groß   08.11.2019 | 15:58 Uhr

Nach dem Mauerfall vor 30 Jahren kamen viele Ostdeutsche ins neuste alte Bundesland, das Saarland. So auch Ute Förster. Die gelernte Erzieherin kam aus Sachsen-Anhalt mit ihrer Familie nach Bexbach. Der Neustart war nicht ganz unproblematisch.

30 Jahre Mauerfall - Ostdeutsche im Saarland: Ute Förster
Audio [SR 3, Alexander M. Groß, 08.11.2019, Länge: 03:01 Min.]
30 Jahre Mauerfall - Ostdeutsche im Saarland: Ute Förster

Durchtrainiert bis in die grau mellierten Spitzen, Brille, freundliches Lächen – das ist Ute Förster. Aufgewachsen ist sie in einem kleinen Ort in Sachsen-Anhalt, zwischen Naumburg und Halle/Saale. Nach der Schule machte sie eine Ausbildung zur Erzieherin, heiratete, bekam eine Tochter. Schon damals träumten sie und ihr Mann davon, in den Westen zu übersiedeln.

Gewartet bis zur Wende

Das war aber wegen ihres Berufs schwierig. "Ich hätte von einer Minute auf die andere die Arbeit verloren, wenn ich einen Ausreiseantrag gestellt hätte", sagt sie. "Meine Mutter hat damals noch als Lehrerin gearbeitet. Auch sie hätte sich entweder von mir lossagen müssen, oder sie hätte ihre Arbeit verloren. Das wollten wir niemandem antun. Deswegen haben wir brav gewartet und waren froh, als der Mauerfall und die Wende kamen."

Eigentlich war Hamburg das Ziel im Westen, aber durch verwandtschaftliche Kontakte wurde es dann doch Bexbach. "Ich habe zwei Heimaten", sagt Förster heute. "Ich fahre ‚hemm‘ zu meinen Eltern - und ich bin zuhause in Bexbach."

Dialekt und andere Probleme

Försters DDR-Ausbildung wurde im Westen problemlos anerkannt, sie konnte schon bald wieder als Erzieherin arbeiten. Aber in ihrem neuen Kindergarten zeigte sich schnell: Eine Erzieherin aus dem Osten und die Vorstellungen der Eltern im Westen passen nicht überall zusammen. "Die Eltern kamen am Anfang mit meiner konsequenten Art, die ich den Kindern hier gegenüber verbreiten wollte, nicht immer klar", erinnert sie sich. "Aber das hat sich dann im Laufe der Jahre doch sehr gut entwickelt, weil die Kinder oft zu mir wollten, weil sie gespürt haben, dass ich trotz aller Konsequenz immer ein guter Freund bin."

Und es gab noch mehr "Huddel": Ute Förster musste sich an das Saarländische gewöhnen. "Die Sprache war am Anfang von der Grammatik her so furchtbar, weil ich es durch den Beruf gewohnt war, doch relativ Hochdeutsch zu reden, obwohl wir auch in Sachsen-Anhalt unseren Dialekt hatten. Aber ich weiß noch, als ich das erste Mal gehört habe: ‚Ich hann gedenkt‘, da dachte ich, mir läuft es eiskalt den Rücken runter."

Mittlerweile fühlt sich Förster aber auch als Saarländerin. Den Schritt, ihre Heimat zu verlassen, hat sie auch nach 30 Jahren nicht bereut.

Über dieses Thema hat auch die SR 3 "Region" am Nachmittag vom 08.11.2019 berichtet.

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