Demo für Markus Igel

Kampf für ein selbstbestimmtes Leben

Steffani Balle   24.01.2019 | 10:00 Uhr

Seit vier Jahren kämpft der Schwerst-Behinderte Markus Igel darum, genügend Geld vom Landesamt für Soziales zu erhalten, um seine Assistenten bezahlen zu können. Nur mit deren Hilfe kann er in der eigenen Wohnung in Bad Kreuznach bleiben. Anderenfalls müsste er zurück ins Heim. Schwer behinderte Menschen haben zwar ein Recht auf Ausgleich ihrer Behinderung im Alltag, doch oft müssen sie für ihr Recht kämpfen.

Rund 100 Unterstützer, Freunde und Leidensgenossen haben sich am 24. Januar vor das Landesamt für Soziales in Saarbrücken getroffen, um ihre Solidariät mit dem schwerst Behinderten Markus Igel zu zeigen. In seinem Kampf um ein selbst bestimmtes Leben zog Igel bis vor das Bundesverfassungsgericht und setzte eine Pfändung gegen das Landesamt für Soziales durch. Das wiederum setzte die festgesetzte Zahlung aus mit Hinweis auf das noch laufende Grundsatz-Verfahren in der Sache. Das Verfahren, das den grundsätzlichen Bedarf für Markus Igel endgültig festlegt, liegt seit vier Jahren beim Sozialgericht in Mainz. Igel wohnt in Bad Kreuznach, ist aber im Saarland geboren und hat auch aus seiner Zeit hier Anspruch auf staatliche Hilfen. Deshalb sind die hiesigen Behörden so lange für ihn zuständig, bis es vor Gericht geht.

Kein Einzelfall

Kampf für ein selbstbestimmtes Leben
Audio [SR 3, Steffani Balle, 24.01.2019, Länge: 02:41 Min.]
Kampf für ein selbstbestimmtes Leben

Schwer behinderte Menschen haben ein Recht auf Ausgleich ihrer Behinderung im Alltag. Dunja Fuhrmann ist Behindertenbeauftragte der Stadt Saarbrücken. Sie sitzt selbst seit ihrer Jugend im Rollstuhl und lebt vollkommen selbständig in ihrer behindertengerecht eingerichteten Wohnung. Ein solch selbständiges Leben ist für viele Behinderte jedoch nicht möglich. Sie brauchen für die täglichen Dinge des Lebens Unterstützung. Fuhrmann rät diesen Menschen deshalb zu versuchen, eine "Rund-um-die-Uhr-Betreuung" durch Assistenten durchzusetzen so wie Markus Igel. Es gehe darum "dann was zu essen, zu trinken oder auf die Toilette gehen zu können, wenn man es möchte und nicht wenn es in den Ablaufplan eines Pflegedienstes passt."

Schwierigkeiten, eine solche Lösung durchzusetzen, gibt es vor allem mit den Kostenträgern. Und das nicht nur beim Thema "Rund-um-die-Uhr-Betreuung", sondern immer wieder auch, wenn es um Hilfsmittel wie einen speziellen Rollstuhl oder eine Rampe auf den Balkon geht. Probleme würden beispielsweise häufig beim Wechsel des Sachbearbeiters oder beim Unzug des Betroffenen auftreten. "Dann kann es sein, dass alles nochmal neu überprüft wird."

Misstrauen, Kontrolle, das Kostenargument - Menschen, die auf zusätzliche unterstützende Leistungen zur Verbesserung ihrer Lebensqualität angewiesen sind, haben häufig jahrelang mit Krankenkassen, Sozialämtern und Gerichten zu tun. Die Behindertenbeauftrage ärgert das sehr: "Es geht ja nicht darum, dass ich mir einen goldenen Wasserhahn installieren lassen will. Es geht um Hilfsmittel, die meine Behinderung ausgleichen sollen."

Dieser Kampf um die Hilfen belaste sehr, sagt Fuhrmann. In Verbänden, in Foren und in sozialen Netzwerken versuchen die Betroffenen deshalb, sich gegenseitig zu unterstützen, und so ist auch die Idee enstanden, Markus Igel bei seinem Prozess mit einer Demo zu unterstützen.

Ein Thema in den "Bunten Funkminuten" und der "Region am Mittag" am 24.01.2019 auf SR 3 Saarlandwelle.

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