Die Modelle beruhen auf jahrelangen Recherchen. (Foto: Marie Kribelbauer)

Das einstige Lustschloss "Von der Leyen" nachgebaut

Mit dem Arbeitskreis Heimatgeschichte Aßweiler auf Zeitreise

Marie Kribelbauer   16.10.2019 | 12:03 Uhr

Wer heutzutage von Niederwürzbach über Seelbach hoch nach Aßweiler fährt, kommt man an vielen Feldern vorbei. Einst stand dort ein Milchviehbetrieb und eine Lustschlossanlage mit Englischem Garten. Die Forscher des Arbeitskreises Heimatgeschichte Aßweiler haben rekonstruiert, wie es dort vor etwa 220 Jahren ausgesehen hat.

Horst Helle und sein Vereinskollege Erich Heib sind Historiker und im Arbeitskreis Heimatgeschichte Aßweiler tätig. Die beiden besuchen im Jahr 2006 einen Vortrag über die Englischen Gärten um den Niederwürzbacher Weiher.

An liebevolle Details haben die Historiker Horst Helle und Erich Heib auch gedacht.
Audio [SR 3, Marie Kribelbauer, 16.10.2019, Länge: 03:06 Min.]
An liebevolle Details haben die Historiker Horst Helle und Erich Heib auch gedacht.

Aßweiler und Seelbach wurden damals nur kurz angerissen. Für die beiden Heimatforscher war das aber wichtig. Sie sagten sich: "Da muss noch mehr sein!" So machten sie sich daran, die große Ebene zwischen Seelbach, Biesingen und Aßweiler zu erforschen. Anhand alter Archiv-Karten konntn sie beweisen, dass vor etwa 220 Jahren auf der Ebene nahe Aßweiler nicht nur ein schweizer Hofgut stand, sondern auch eine riesige Schlossanlage, genannt „Bagatelle“, erbaut vom Erzgrafen Philipp von der Leyen. Von diesem Zeitpunkt an war das Forscher-Feuer entfacht. Heib und Helle nahmen die Grünfläche ganz genau unter die Lupe, fanden tatsächlich einen zugeschütteten Brunnen und legten ihn frei.

Die Modelle beruhen auf jahrelangen Recherchen. (Foto: Marie Kribelbauer)
Die Modelle beruhen auf jahrelangen Recherchen.

Doch das reichte den Forschern nicht. Sie wollen ganz genau wissen, wie es im Aßweiler und Seelbach des 18. Jahrhunderts ausgesehen hat. Sie gruben tief in Archiven, legen Beute-Listen der französischen Revolutionäre und Handwerker-Rechnungen frei; Rechnungen von Maurern, Schlossern, Schreinern. Daran konnten sie ziemlich genau ablesen, wie der „Schweizer Hof“ und das Grafenschloss ausgesehen haben. Die alten Maße übertrugen sie in die heutige Zeit übertragen, etwa Schuh und Fuß in Meter und Zentimeter. So fanden sie spannende Details: Fensterläden wurden blau angestrichen, Decken rosenfarben.

Die Modelle beruhen auf jahrelangen Recherchen. (Foto: Marie Kribelbauer)
Die Modelle beruhen auf jahrelangen Recherchen.

Einige Gebäude haben sie als Modelle aus dünnen Holzplatten und –Stäben nach gebaut. Damit lassen sie zum Beispiel den Schweizer Hof wieder aufleben. Auf einer grünen Platte steht ein blassgelbes Wohnhaus mit Fenstern und Klappläden. Daran angebaut ein Langhaus mit Ställen. Einrichtung, Raumaufteilung und Maße - alles ist durch Schriften belegt und detailliert nachgebaut.

Nächstes Projekt ist das Theater

Innen ist unter anderem der Brunnenschacht zu sehen, mit dem die Suche angefangen hat. Strom kann zugeschaltet werden, dann schöpfen kleine Eimer Wasser. Ein Mini-Ochse dreht sich im Kreis und treibt den Mechanismus an. Gegenüber hat Erich Heib den Schlosspark „Bagatelle“ in Form kleiner Styropor- und Pappmodelle rekonstruiert. Fasanerie, Schönborner Hof, sogar ein Komödienhaus.

Am Interessantesten sei das Theater. Das wurde gebaut wie eine Kirche. Sie haben das über die Handwerkerrechnungen rekonstruiert. Nun soll auch daraus en Modell werden wie beim Schweizer Hof.

Über dieses Thema wurde auch in der Sendung "Region am Mittag" auf SR 3 Saarlandwelle am 16.10.2019 berichtet.

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