wims - Das Magazin. Thema Lichtverschmutzung (Foto: VSE)

Kluge LED-Technik gegen die Lichtverschmutzung

Alexander M. Groß   28.06.2021 | 16:50 Uhr

Wir machen die Nacht zum Tage - das sieht man sogar aus dem All. Unsere Straßen sind ausgeleuchtet, Gebäude und Werbetransparente werden taghell angestrahlt. Experten sprechen von Lichtverschmutzung - und die macht nicht nur den Sterneguckern das Leben schwer. Doch so langsam tut sich was. Neue, intelligente Lichttechnik macht's möglich. In Eiweiler und Otzenhausen hat man auf LED-Beleuchtung umgestellt - und ganz nebenbei wird dabei auch noch reichlich Energie eingespart.

Als die Sternwarte Peterberg Mitte der 90er Jahre erbaut wurde, war der Peterberg einer der dunkelsten Orte im Saarland. Messgeräte der Hobby-Astronomen zeigen aber: Seitdem wurde es nachts immer heller. Christoph Pütz von der Sternwarte schlug Alarm und suchte Mitstreiter gegen die Lichtverschmutzung. Das Streulicht von unzähligen Lichtquellen in der Umgebung behindert nämlich bei der Beobachtung der Sterne.

"Ein unheimlicher Eingriff in die Natur"

Doch den Sternebeobachtern geht es um mehr. "Alle Lebewesen auf der Erde sind im Prinzip eingestellt auf einen rhythmischen Tag-Nacht-Wechsel, weil die Erde sich dreht", sagt Pütz. Zweidrittel der Lebewesen seien dabei nachtaktiv und die Hälfte davon Insekten, die Nacht für Nacht Millionen von Pflanzen bestäubten. "Wenn wir diesen Tieren die Grundlage wegnehmen, dann ist das ein unheimlicher Eingriff in die Natur".

Intelligente Straßenbeleuchtung in Eiweiler und Otzenhausen

Lichtverschmutzung - nicht nur ein Problem für Sternegucker
Audio [SR 3, Alexander M. Groß, 28.06.2021, Länge: 03:09 Min.]
Lichtverschmutzung - nicht nur ein Problem für Sternegucker

Inzwischen tut sich was in Sachen "Lichtverschmutzung". In Eiweiler, ein paar hundert Meter Luftlinie von der Sternwarte entfernt, wurden in den letzten Wochen alle Straßenlaternen ausgetauscht. Leuchtdioden erhellen jetzt das Dorf am Rand der Gemeinde Nohfelden. Und das nutzt nicht nur der Natur, sondern spart auch Geld.

"Durch die Installation der neuen LED-Technik sparen wir rund ein Drittel der Stromverbräuche ein", sagt Michael Dewald, Geschäftsführer des Energieversorgers "energis". Durch eine intelligente Vernetzung der LED-Lampen werde man den Energieverbrauch dann nochmal um 30 Prozent absenken können, so Dewald. Intelligente Vernetzung heißt: In den Nebenstraßen sind die Lampen gedimmt. Nur wenn der installierte Bewegungsmelder einen Fußgänger oder ein Auto im Verkehr bemerkt, werden die Lampen dann automatisch heller.

Auch im Industriegebiet Münzbachtal in Otzenhausen ist es inzwischen in der Nacht wieder dunkel. Früher brannte hier die ganze Nacht hindurch die Beleuchtung in voller Leistung, obwohl nur während des Schichtwechsel Verkehr war. Auch hier sind nun LED-Lampen im Einsatz und die Ersparnis liegt sogar bei 60 Prozent.

Dunkle Orte - auch ein Tourismusthema

Und jetzt will man die neue Dunkelheit auch touristisch nutzen unter dem Motto "Sterne und Natur" mit der Sternwarte, mit Sterngucker-Plätzen und dem Planetenwanderweg, so Landrat Udo Recktenwald.

Den Effekt der LED-Technik in Eiweiler und Otzenhausen hat Christoph Pütz bereits messen können. Es ist wieder deutlich dunkler geworden. Und der Peterberg könnte nun auch als "dunkler Ort" offiziell zertifiziert werden. Er stünde dann in einer Reihe mit Nationalparks in den USA oder der Kalahari in Afrika.


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In Eiweiler und Otzenhausen will man die Lichtverschmutzung mittels neuer intelligenter Straßenlaternen reduzieren – diese erfassen, ob ein Fußgänger oder Auto unterwegs ist und stellen nur dann ihre voll Leistung zur Verfügung.

Ein Thema in der "Region am Nachmittag" am 28.06.2021 auf SR 3 Saarlandwellee

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