Symbolbild einer Schutzmaske (Foto: picture alliance/Friso Gentsch/dpa)

Leopoldina sieht Möglichkeiten für Normalisierung

  13.04.2020 | 19:18 Uhr

Die Nationale Akademie der Wissenschaften, Leopoldina, hat ihre Stellungnahme zum weiteren Vorgehen in der Corona-Krise veröffentlicht. Demnach kann aus Sicht der Wissenschaftler das öffentliche Leben unter bestimmten Voraussetzungen schrittweise wieder normal anlaufen. Darunter zählt zum Beispiel eine Maskenpflicht in bestimmten Bereichen.

Akademie der Wissenschaften zum weiteren Vorgehen in der Corona-Krise
Audio [SR 3, Michael Friemel / Nina Barth, 14.04.2020, Länge: 03:01 Min.]
Akademie der Wissenschaften zum weiteren Vorgehen in der Corona-Krise

Die Forschungsgemeinschaft Leopoldina nannte am Montag Voraussetzungen für eine schrittweise Normalisierung des öffentlichen Lebens. Dazu gehören ausreichend Krankenhausbetten und wenig Neuinfektionen. Die Neuinfektionen müssten sich auf niedrigem Niveau stabilisieren und notwendige klinische Reservekapazitäten aufgebaut werden, um auch andere Patienten wieder regulär zu versorgen.

Außerdem müssten die bereits bekannten Schutzmaßnahmen diszipliniert eingehalten werden. Insbesondere solle das Tragen von Schutzmasken in bestimmten Bereichen wie dem öffentlichen Nahverkehr zur Pflicht werden.

Öffnung von Einzelhandel, Gaststätten und Schulen

Mit Maßnahmen wie Hygiene- und Distanzregeln, Mund-Nasen-Schutz und einer zunehmenden Identifizierung Infizierter könnten dann zunächst unter anderem der Einzelhandel und Gaststätten wieder öffnen, empfehlen die Wissenschaftler. Auch der allgemeine geschäftliche und behördliche Publikumsverkehr könnte dann wieder aufgenommen werden. Dienstliche und private Reisen könnten unter Beachtung der genannten Schutzmaßnahmen ebenfalls wieder möglich werden.

Die Wissenschaftler sprachen sich auch für eine Wiedereröffnung der Schulen aus – allerdings zunächst nur für die jüngeren Schüler und später dann für höhere Klassen. "Da die Jüngeren im Bildungssystem mehr auf persönliche Betreuung, Anleitung und Unterstützung angewiesen sind, sollten zuerst Grundschulen und die Sekundarstufe I wieder schrittweise geöffnet werden", hieß es in einer Stellungnahme der Wissenschaftler. Die Möglichkeiten des Fernunterrichts könnten "mit zunehmendem Alter besser genutzt werden". Prüfungen sollten aber "wenn eben möglich" abgehalten werden. Zudem sollten zunächst die Abschlussklassen wieder zur Schule gehen, um den Übergang in die weiterführenden Schulen vorzubereiten.

Beratungen am Mittwoch

Der Betrieb in Kindertagesstätten sollte "nur sehr eingeschränkt wiederaufgenommen werden". Kleinere Kinder könnten sich nicht an die Distanzregeln und Schutzmaßnahmen halten, gleichzeitig aber die Infektion weitergeben, hieß es zur Begründung.

Gesellschaftliche, kulturelle und sportliche Veranstaltungen sollten "in Abhängigkeit von der möglichen räumlichen Distanz und den Kontaktintensitäten der Beteiligten (...) nach und nach wieder ermöglicht werden". Dagegen sei eine vorbeugende "Segregation" einzelner Bevölkerungsgruppen, beispielsweise älterer Menschen, allein zu deren eigenem Schutz als "paternalistische Bevormundung" abzulehnen.

Die Stellungnahme der Leopoldina ist eine wichtige Grundlage für die Beratungen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Ministerpräsidenten am Mittwoch. Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) erklärte, die Nationalakademie habe eine "exzellente Beratungsgrundlage" für die nächsten Tage geliefert. Saar-Ministerpräsident Tobias Hans forderte einen "Masterplan für den Umgang mit dem Coronavirus in den nächsten Wochen und Monaten".

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 13.04.2020 berichtet.

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