Lebensmittelretter-Markt "Rettich" in Saarbrücken (Foto: Simin Sadeghi/SR)

Lebensmittelretterin mit neuem Laden in Saarbrücken

Simin Sadeghi / Onlinefassung: Axel Wagner   20.08.2020 | 14:12 Uhr

Jedes Jahr werden in Deutschland 18 Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen, ohne das sie schlecht wären. Fabienne Ebertz aus Saarbrücken hat es sich nun zur Aufgabe gemacht, genau diese Lebensmittel zu retten: Im Nauwieser Viertel hat sie genau vor zwei Wochen den ersten saarländischen Laden für gerettete Lebensmittel aufgemacht: „Rettich“.

Fabienne Ebertz füllt schnell noch die Regale auf, bevor sie ihren „Rettich“ aufmacht: Karotten im Glas, Chips, Bier und Wein. Hier findet man alles, was Fabienne retten konnte. Snacks, Balsamico, Leinöl, aber auch Frischkäse, Pudding, Mozzarella oder Räuchertofu finden sich da. 

Wegen Herstellerwechsel aussortiert

Lebensmittelretter: "Rettich" in Saarbrücken
Audio [SR 3, Simin Sadeghi, 20.08.2020, Länge: 03:09 Min.]
Lebensmittelretter: "Rettich" in Saarbrücken

Einige Lebensmittel sind ein paar Tage über dem Verfallsdatum, einige andere aber noch lange nicht. Wie kommt das? „Ich habe jetzt hier eine Tomatensoße in der Hand, die läuft im Februar 2022 ab“, sagt Ebertz. „Da hat die Firma den Hersteller gewechselt. Deswegen haben die jetzt andere Tomatensoße und wussten jetzt nicht genau, wohin mit der alten. Die haben wir dann gerettet.“

All das, was man im Laden sieht, wäre direkt in der Tonne gelandet – für Fabienne eine Vorstellung, die sie nicht mehr ertragen konnte. „Wenn man sich mal anschaut, was deutschlandweit alles weggeworfen wird, ist das, wenn man das runterbricht, eine Lkw-Ladung pro Minute.“

Lebensmittelretterin Fabienne Ebertz vom "Rettich" in Saarbrücken (Foto: Simin Sadeghi/SR)
Lebensmittelretterin Fabienne Ebertz vom "Rettich" in Saarbrücken

Gut gefüllte Lager

Das Geschäftsmodell, solche Lebensmittel zu retten, funktioniere auch schon in anderen Städten, sagt Ebertz. „Deswegen habe ich das in Angriff genommen.“ Jeden Tag kommt neue Ware. Die Lager sind gut gefüllt.

„Wir prüfen jedes Produkt auch nach dem Mindesthaltbarkeitsdatum noch stichprobenartig“, so Ebertz. „Sehen, riechen, schmecken, auch die Temperatur wird gemessen. Dann wird überlegt, ob es noch verkäuflich ist oder nicht.“

Die Lebensmittel bekommt Fabienne von Supermärkten, Großhändlern, von Bauern, direkt von den Herstellern und von Bäckereien wie der saarländischen Bäckerei Mischo. Jeden Abend fährt Jeannot Ebertz, Fabiennes Bruder, die Filialen ab, um Brot, Brötchen und Teilchen abzuholen.

Video [aktueller bericht, 11.08.2020, Länge: 2:49 Min.]
Verkaufen statt Wegwerfen

Anbieter froh über gerettete Lebensmittel

Dass mal gar nichts übrig ist, sei eine Ausnahme, sagt Jeannot. Bäckermeister David Mischo ist froh, dass seine liegengebliebenen Brote und Brötchen im „Rettich“ eine zweite Chance kriegen. Als Konkurrenz sieht er den Rettermarkt nicht. „Wir freuen uns über jedes mit Liebe und Leidenschaft hergestellte Lebensmittel, das nicht entsorgt werden muss. Konkurrenzgedanken gibt es hier gar nicht.“

Im „Rettich“ verkauft Fabienne Ebertz die Lebensmittel für kleinen Preis. Je nachdem, wieviel sie dafür zahlen muss, sparen Kunden bis zu 50 Prozent. Fabienne achtet sehr darauf, den Tafeln oder anderen Lebenmittelrettern nichts wegzunehmen. In dem gemütlichen Laden kann man nach dem Einkauf im Laden noch einen Kaffee trinken oder Kuchen essen. Vom den Regalen bis zu den gemütlichen Sesseln ist natürlich auch alles gerettet und selbstgemacht. Für die Kunden: Einkaufen mit gutem Gefühl.

Man kann gespannt sein, was noch kommt im „Rettich“. Die Mission ist klar: So viele Lebensmittel zu retten wie möglich. 

Über dieses Thema hat auch die SR3 Region am Mittag vom 20.08.2020 berichtet.

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