Blick auf Schreibtisch, Stetoskop, Schild mit der Aufschrift Hausarztpraxis (Foto: dpa/Stephan Jansen)

"Wir müssen von Woche zu Woche sehr kurzfristig planen"

Interview: Joachim Meiser, KV, zur Aufhebung der Priorisierung bei AstraZeneca-Impfung

Interview: Simin Sadeghi   07.05.2021 | 12:15 Uhr

85.000 Corona-Impfungen wurden in den vergangenen vier Wochen von den Hausärzten im Saarland verabreicht. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat nun angekündigt, die Priorisierung für das Vakzin von AstraZeneca aufzuheben. Doch was bedeutet das nun für die Impfung in den saarländischen Hausarztpraxen? Dazu im SR-Interview: Joachim Meiser von der Kassenärtzlichen Vereinigung im Saarland (KV).

Auch wenn Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) die Impfpriorisierung für AstraZeneca aufgehoben habe, bedeute das nicht, dass man jeder sofort bei seinem Hausarzt eine Impfung verlangen könne, sagt Joachim Meiser, der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung im Saarland.

Interview mit Joachim Meiser von der Kassenärtzlichen Vereinigung im Saarland (KV) zu Corona-Impfung in den Arztpraxen

"Wir haben immer noch eine generelle Impfstoff-Knappheit." Aber natürlich könne sich jeder, der sich mit AstraZeneca impfen lassen wolle, mit seinem Arzt in Verbindung setzen und sich impfen lassen, wenn das Vakzin vorrätig sein.

Zurzeit würden in den saarländischen Arztpraxen ca. 20.000 Dosen pro Woche verimpft. "Wir könnten sicher das Zwei- bis Dreifache verimpfen, wenn der Nachschub entsprechend wäre", sagt Meiser.

Impfstofflieferung: Kurzfristig und mit starken Schwankungen

Nach wie vor gebe es eine Zuteilung auf Bundesebene, die wöchentlich ausgerechnet werde, sagt Meiser. Das mache eine längerfristige Planung sehr schwierig. "Wir müssen von Woche zu Woche sehr kurzfristig planen und das beeinflusst natürlich auch die Terminierung in den Praxen sehr." Und hinzu komme, dass nun die Zweitimpfungen anstünden, was zu weiteren Schwankungen beim Impfpotenzial führe.

Was nun dringend benötigt werde, sei "eine Stabilität der Lieferkette, damit die Praxen verlässlich arbeiten können", so der KV-Vorsitzende.

Durchimpfung bis Mitte Juli möglich

Ob die Aufhebung der Priorisierung beim Impfstoff AstraZeneca und die Verkürzung der Frist für die Zweitimpfung von zwölf auf sechs Wochen zu einem Ansturm in den Praxen führen werde, das könne man aktuell noch nicht abschätzen, sagt Meiser. Zurzeit sei die Skepsis in der Bevölkerung gegenüber diesem Vakzin ja noch sehr hoch.

Nichtsdestotrotz hofft Meiser, dass bis Mitte Juli, vielleicht sogar schon Ende Juni, jeder Impfwillige im Saarland seine Erstimpfung erhalten hat. Gemeinsam mit den Impfzentren seien bis zu 80.000 Impfungen pro Woche möglich. Bedingung sei aber, dass die Lieferketten und die Zusagen stabil blieben.

Ein Thema in der "Region am Mittag" am 07.05.2021 auf SR 3 Saarlandwelle

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