Schülerinnen mit Mund-Nase-Bedeckung steigen dicht gedrängt in einen Schulbus (Foto: picture alliance/Andreas Arnold/dpa)

Sollte der ÖPNV für Schüler kostenlos sein?

mit Informationen von Stephan Deppen   20.10.2021 | 16:50 Uhr

Seit den 90er Jahren müssen Eltern von schulpflichtigen Kindern an weiterführenden Schulen die Kosten für Busfahrkarten selbst übernehmen. Eine SR 3-Hörerin findet das ungerecht. Sie hat sich bei der Landesregierung beschwert. Dort verweist man auf günstiger gewordenen Tarife.

Ursula Thummen aus Eppelborn findet die derzeitige Regelung zur Schülerbeförderung ungerecht. Wer in einem Ort mit Schule wohnt, ist bei den Fahrtkosten fein raus, liegt die Schule aber im Nachbarort, müssen die Eltern zahlen. Sie fordert einen kostenlosen ÖPNV nicht nur für Grundschüler, sondern für alle Schülerinnen und Schüler.

Kostenloser ÖPNV auch für ältere Schüler

Es gehe ihr "um Beförderungskosten für Schüler ab der fünften Klasse, die nicht fußläufig in die nächstgelegene Schule gelangen können und somit auf den ÖPNV angewiesen sind." Es sei ungerecht, dass deren Eltern 40 bis 50 Euro im Monat bezahlen müssten.

Land verweist auf neue Tarife

Frau Thummen hat sich nicht nur an den SR, sondern zunächst an die Landesregierung gewandt. Geantwortet hat dann ein Mitarbeiter des Bildungsministeriums mit Verweis auf die aktuellen Tarife im SaarVV. Das ist im Kern auch die Antwort, die der SR bekommen hat.

Forderung nach kostenlosen ÖPNV-Tickets für Schülerinnen und Schüler
Audio [SR 3, Stephan Deppen, 20.10.2021, Länge: 03:09 Min.]
Forderung nach kostenlosen ÖPNV-Tickets für Schülerinnen und Schüler

Julian Lange, Sprecher des Wirtschaftsministeriums, das für den ÖPNV im Lande zuständig ist: "Mit der Tarifreform vom ersten Juli 2021 kostet das Schülerticket saarlandweit noch 49 Euro, für das zweite Geschwisterkind 39 Euro und das dritte 29 Euro pro Monat." Das habe Vorteile gegenüber Tickets, die nur Fahrten zur nächstgelegenen Schule abdeckten, argumentiert Lange. So könnten die Schüler auch rund um die Uhr zum Beispiel zu ihren Vereinen oder Großeltern fahren.

Richtig daran ist, dass die Schülertickets gegenüber dem alten Tarifsystem deutlich aufgewertet oder preiswerter wurden. Richtig ist aber auch, dass das die Frage beziehungsweise die Forderung von Frau Thummen nicht beantwortet. Sie beharrt auf ihrer Forderung. Schließlich sei eine kostenlose Beförderung auch ökologisch sinnvoll, sagt sie.

Unterschiedliche Regelungen in Bundesländern

Wie so vieles im Bildungssystem ist auch die Beförderung von Schülerinnen und Schülern Ländersache. In Baden- Württemberg müssen grundsätzlich die Eltern die Beförderung bezahlen, in den meisten anderen Bundesländern gibt es aber zumindest Zuschüsse zu den Fahrtkosten, nicht nur für Grundschüler, sondern auch für Sekundarstufe Eins. Dabei spielt auch die Entfernung zur Schule eine Rolle.

In einigen Ländern hängen die Zuschüsse auch vom Einkommen der Eltern ab. Das ist im Saarland nicht anders, ergänzt Ministeriumssprecher Lange: Wer als Familie Transferleistungen erhalte, könne das Schüler-Abo auch erstattet bekommen.

Unterm Strich aber bleibt für die meisten saarländischen Eltern der Besuch einer weiterführenden Schule für die eigenen Kinder eine teure Angelegenheit. Auch mit den neuen Tarifen kommen schnell einige hundert Euro im Jahr für Busfahrkarten zusammen. Mag man ungerecht empfinden, steht aber derzeit nicht oben auf der politischen Tagesordnung.


Mehr zum Thema

Kommentar
"ÖPNV ist und bleibt Daseinsvorsorge"
Am 1. Juli ist die neue Tarifstruktur für den saarländischen öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) in Kraft getreten. Insbesondere Abonnenten sollen mit günstigeren Monatskarten angelockt werden. Veränderungen bei Verbindungen und Taktung sollen erst mit der Umsetzung des Verkehrsentwicklungsplans erfolgen. Mit den neuen Tarifen aber ist der erste wichtige Schritt für mehr Attraktivität im Saarländischen ÖPNV getan - sagen jedenfalls Verkehrsministerium und Verkehrsbetriebe. Ist das tatsächlich so? Dazu ein Kommentar von Stephan Deppen.

Ein Thema in der Sendung "Region am Nachmittag" vom 20.10.2021 auf SR 3 Saarlandwelle.

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja