Kommentar: "Viel versprochen und weniger gehalten"

"Viel versprochen und weniger gehalten"

Ein Kommentar von Simin Sadeghi   31.05.2019 | 16:55 Uhr

Vor einem Jahr war die Welt für einige Saarländer nicht mehr wie vorher. Ein Unwetter hatte in vielen Orten im Saarland Autos Straßen und Häuser geflutet, Autos zusammengeschoben, Brücken zum Einsturz gebracht. Ministerpräsident Tobias Hans hatte noch am Tag des ersten Unwetters schnelle Hilfe versprochen. Was ist daraus geworden? Dazu ein Kommentar von SR-Reporterin Simin Sadeghi.

„Es ist uns wichtig, dass sich keiner alleine gelassen fühlt“ - das waren die Worte von Ministerpräsident Tobias Hans kurz nach dem ersten heftigen Unwetter im SR-Interview. Erleichterung bei vielen, die in der Nacht vom 31. Mai auf den 1. Juni alles verloren hatten. Schnell wurden Zahlen genannt: 1500 Euro Soforthilfe wollte das Land schnell und unbürokratisch zahlen.

Elementarversicherung für Unwetteropfer
Audio [SR 3, Karin Mayer, 31.05.2019, Länge: 03:06 Min.]
Elementarversicherung für Unwetteropfer

Für alle, die keine Elementarschadenversicherung hatte, sollte es zusätzlich Geld vom Land geben: 40 Prozent des Schadens - klingt großzügig. Vor allem in Kleinblittersdorf und Bliesransbach, wo die wenigsten versichert waren, gingen viele mit einem guten Gefühl an die Aufräumarbeiten: „Das Land wird uns nicht im Regen stehen lassen.“ Und wie versprochen, die Soforthilfen kamen schnell. 1500 Euro bei einem Schaden von 60.000, 70.000 oder 90.000 Euro pro Haushalt - nur Peanuts, trotzdem Danke, Vater Staat.

Unwetterschäden: Finanzhilfen insgesamt 40 Mal ausgezahlt
Audio [SR 3, Simin Sadeghi, 31.05.2019, Länge: 02:58 Min.]
Unwetterschäden: Finanzhilfen insgesamt 40 Mal ausgezahlt

Doch spätestens als die Antragsformulare für die Finanzhilfen, also für alle ohne Elementarschadenversicherung kamen, beschlich viele Geschädigte das Gefühl: „Das Gerede war nur heiße Luft“. Denn allein den Antrag auszufüllen dauert länger als jede Steuererklärung. Die Hausbesitzer mussten alles angeben – vom Sparbuch bis zum Zweitwagen, von der Wohnfläche bis zur Lebensversicherung.

Nicht nur das Ausfüllen des bürokratischen Ungetüms hat lange gedauert, sondern auch die Bearbeitung. Nach sieben Monaten kamen die ersten Absagen vom Ministerium. Es sollten noch mehr als 90 folgen. Nur 40 Familien im Saarland haben am Ende die versprochenen Finanzhilfen bekommen – bei über 1000 Geschädigten. Klingt nach viel versprochen und weniger gehalten.

Da mag der eine schimpfen und sagen: Das Land hat viereinhalb Millionen locker gemacht nach dem Unwetter – für die Gemeinden und die Geschädigten. Muss das Land denn alles zahlen? Nein, aber es muss halten, was es verspricht. Zumal, weil die Gemeinden eine Mitschuld an den Schäden der Bürger tragen. Denn auf ein Unwetter, wie das vom letzten Jahr, war kaum ein Ort vorbereitet. Da waren Regenrückhaltebecken zugewuchert wie in Bliesransbach, Bachläufe verstopft wie in Oberwürzbach oder Ortskerne auf Schwemmland gebaut wie in Eppelborn.

Land und Gemeinden haben deshalb eine Mitverantwortung für ihre Bürger - von denen die wenigsten damit gerechnet haben, dass sie ihre Möbel und Auto mal davon schwimmen sehen.


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Ein Thema in der "Region am Nachmittag" vom 31.05.2019 auf SR 3 Saarlandwelle.

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