Kommentar: "Schulen auf ja – aber diese Schulöffnung kommt zur Unzeit"

"Schulen auf: Ja. Aber diese Schulöffnung kommt zur Unzeit"

Eva Lippold   23.02.2021 | 16:28 Uhr

Am 8. März soll es in den saarländischen Schulen wieder Unterricht geben - als Wechselunterricht. Dazu ein Kommentar von SR-Reporterin und Mutter Eva Lippold.

Entscheidung des Saar-Ministerrats
Ab 8. März Wechselunterricht in weiterführenden Schulen
Am 8. März starten auch die weiterführenden Schulen im Saarland in den Wechselunterricht. Das hat der Ministerrat am Mittag beschlossen. Ausgenommen vom Wechselunterricht bleiben die Abschlussklassen.

Eigentlich bin die Erste, die schreit: Macht die Schulen auf! Soziologisch, pädagogisch und psychologisch spricht alles dafür. Und in diesem Punkt stehe ich völlig hinter der Bildungsministerin: Die Öffnung der Schulen muss immer oberste Priorität sein - vor allen Baumärkten, Friseuren oder Airlines.

Homeschooling klappt - irgendwie

Aber nun sind die Schulen zu – und das bereits seit über zwei Monaten. Es war und ist nicht leicht, die Beschulung zu Hause zu organisieren – ich spreche da aus eigener Erfahrung, mein elfjähriger Sohn verbringt gerade viele Stunden am Tag allein zu Hause. Aber mittlerweile sind wir eingespielt. Es klappt. Irgendwie.

Klar hat sich mein Sohn riesig gefreut, dass eine Öffnung in Sicht ist. Hat gestrahlt und gejubelt. Aber die Fallzahlen steigen weiter, wir wissen nicht, welche Rolle die Mutanten spielen werden.

Warum kein Abwarten?

Der Wechselunterricht für die Kleinsten hat noch nicht einmal begonnen – warum jetzt diese Entscheidung, auch die Großen wieder in den Unterricht zu schicken? Warum nicht erst einmal abwarten, wie sich die Öffnung der Grundschulen auf die Infektionszahlen auswirken wird? Die Ministerin spricht tatsächlich von „einer Perspektive mit Bestand“ für jeden Schüler, noch vor Ostern.

Was aber, bitte, hat da Bestand? Dass nun alle noch kurz vor den Osterferien auf Stippvisite das Schulhaus von innen sehen dürfen? Dass womöglich wieder massenhaft Klassen und ganze Schulen in Quarantäne geschickt werden müssen – und bei Mutanten heißt das dann 14 Tage Quarantäne bei einem nachgewiesenen Kontakt?

Beruhigen sollen uns die angekündigten Schnelltests und die angekündigte Impfpriorisierung für Lehrer. Aber von den Schnelltests ist an den Schulen bislang keine Spur, von einem vernünftigen Konzept, wie diese Tests im Schulalltag umgesetzt werden sollen, mal ganz zu schweigen. Und auf geimpfte Lehrer müssen wir trotz aller Impfpriorisierung wohl auch noch ein paar Monate warten.

Schulen auf: Ja. Aber diese Schulöffnung kommt zur Unzeit – und könnte epidemologisch und damit dann leider auch sozial zum Supergau führen.

Ein Thema in der "Region am Nachmittag" am 23.02.2021 auf SR 3 Saarlandwelle

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