Hinweis auf Maskenpflicht (Foto: SR)

"Ja, bitte Bußgelder, und zwar nicht zu knapp"

Simone Mir Haschemi   08.08.2020 | 12:30 Uhr

Dass wir uns in diesem Coronazeiten ständig und je nach Lage immer wieder neu auseinandersetzen und mitunter auch darüber streiten, was zu tun ist und was zu lassen ist, das war von Anfang an absehbar. Einer dieser Punkte ist das Tragen von Masken. In Bussen, Bahnen und Geschäften muss man sie tragen. Nun wurde viel darüber diskutiert, ob es für das Nichttragen Bußgelder geben sollte. Dazu ein Kommentar von SR 3-Infochefin Simone Mir Haschemi.

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Kommentar: "Ja, bitte Bußgelder, und zwar nicht zu knapp"
Audio [SR 3, Simone Mir Haschemi, 08.08.2020, Länge: 02:52 Min.]
Kommentar: "Ja, bitte Bußgelder, und zwar nicht zu knapp"
Kommentar von SR 3-Infochefin Simone Mir Haschemi.

Man kann es so oder so sehen: Bußgelder ja oder nein, mit oder ohne Vorwarnung – die Rechtsgrundlagen sind schwierig, die Verordnungen nicht entsprechend, die Lokführer mahnen Änderungen des Hausrechts an, damit man Nichtmaskentragende des Zuges verweisen kann – undsoweiter.

Die einen sagen, jawoll, Bußgelder bitte hoch und bitte sofort, die anderen setzen auf die Kraft der Überzeugung. An den offenen rechtlichen Fragen sieht man, dass es bei Corona auch nach einem halben Jahr womöglich noch Schieflagen gibt.

Ein Szenario

Sie halten, natürlich völlig zu Unrecht, für zwei Minuten auf einem Bewohnerparkplatz, um schnell in eine Bäckerei zu hüpfen. Dort marschiert gerade eine Kundin hinein ohne Mund-Nasen-Schutz, ohne Einhaltung der Abstandsregeln und trotz des Schildes an der Tür, das sagt, es dürfen drei rein – und sie ist die vierte im winzigen Laden. Die Verkäuferinnen fühlen sich merklich unwohl, sagen aber nix. Genauso die anderen Kunden, denen besagte Kundin halb unter der Nase hängt.

Es ist völlig klar: Die kann das so machen. Es ist zwar nicht erlaubt, sie missachtet gleich drei Regeln, auf die sich diese Gesellschaft verständigt hat, aber es passiert ihr nichts. Sie gehen gefrustet raus – und haben ein Knöllchen! Klar, ihr Auto stand falsch – aber gefährdet haben Sie niemanden. Das Knöllchen ist korrekt – aber das wäre es erst recht für das Gefährden anderer, wenn man Coronaregeln ignoriert.

Beim Falschparken hat es noch keiner vom Ordnungsamt bei mir damit versucht, mich erst mal inhaltlich zu überzeugen.

Regeln, auf die sich Gesellschaft verständigt hat

Corona ist eine Umbruchzeit, da ist Überzeugungsarbeit natürlich wirklich wichtig, aber die findet ja auch seit Monaten statt. Meine Meinung ist also: Ja, bitte Bußgelder, und zwar nicht zu knapp. Wenn das Missachten von Recht keine negativen Konsequenzen hat, dann ist das ein falsches Zeichen.

Aber die Diskussion über Bußgelder zeigt aus meiner Sicht noch einen ganz anderen entscheidenden Punkt auf. Nämlich das Prinzip: Regeln, auf die eine Gesellschaft sich verständigt hat, sind einzuhalten, auch, wenn ich sie persönlich nicht gut finde oder nicht ganz verstehe.

Rücksichtslosigkeit in empfindlichen Zeiten

Nehmen wir noch mal die maskenlose, abstandsmissachtende Kundin. Mal angenommen, sie glaubt nicht so richtig daran, dass Corona sich wirklich so verbreitet, wie die Virologen das sagen. Mal angenommen, sie denkt, haben ja eh nicht so viele Leute gerade im Saarland – und ich selbst schon mal gar nicht. Mal angenommen, sie denkt sogar, das ist alles eine Erfindung. Selbst dann verstehe ich nicht, wieso man willentlich in Kauf nimmt, Verkäuferinnen und andere Kundinnen und Kunden zu beunruhigen, zu belästigen, deren Wunsch, aber auch deren Rechtsanspruch letztlich für nichtig zu erklären durch sein Handeln.

Wieso man nicht sagt: Ich glaub das alles zwar nicht so recht – aber ich will, dass es meinen Mitmenschen gut ergeht, mich kostet das nicht viel. Die einzige Erklärung, die ich dafür finde, ist, dass man sich nicht für fünf Sekunden in die anderen hineinversetzt. In die anderen Kundinnen nicht, vor allem aber nicht in die Verkäuferin, die sich nicht traut, was zu sagen, weil der Laden klein ist und auf seine Stammkunden angewiesen, auch wenn die renitent Masken verweigern und ihr ins Gesicht atmen. Diese Rücksichtslosigkeit in empfindlichen Zeiten ist der eigentliche Skandal. Und wenn die Folgen daraus kein Bußgeld wert sind, dann weiß ich es auch nicht.

Ein Thema in der "Region am Mittag" am 08.08.2020 auf SR 3 Saarlandwelle

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