Volker Roth (Foto: SR Fernsehen)

"Die Luca-App - ein Musterbeispiel für geschickte Lobby-Arbeit"

Volker Roth   09.09.2021 | 17:40 Uhr

Die Luca-App hat im Saarland seit ihrer Einführung in keinem einzigen Corona-Fall bei der Ermittlung von Kontaktpersonen geholfen. Das melden die Gesundheitsämter auf SR-Anfrage. Im gleichen Zeitraum gab es mehr als 13.000 bestätigte Infektionen im Saarland. Dazu ein Kommentar vom Leiter des SR-Rechercheteams Volker Roth.

Hand aufs Herz: Wissen Sie genau, wo Sie die Luca-App verwenden müssen? Oder noch auf Zetteln ihre Kontaktdaten hinterlegen?

In Restaurants innen, das ist klar. Aber auch in Kinos, beim Training innen, in Hotels und an Unis bei Präsenzbetrieb und beim Friseur. So steht es in der Verordnung zur Kontaktnachverfolgung.

Und wie oft sind Sie gefragt worden? Das ist der erste Schwachpunkt, weil nach den zahlreichen Änderungen niemand mehr wirklich durchblickt, wo die Kontaktverfolgung vorgeschrieben ist – und wo nicht. So hängt auch an einem Baumarkt noch der QR-Code der Luca-App zur Registrierung. Nur, dass ihn natürlich niemand nutzt.

Die Luca-App - eine Scheinlösung

Viel schwerwiegender ist aber, dass die Luca-App eine Scheinlösung ist: Sie signalisiert uns Sicherheit, bietet sie aber nicht. Die Auswertung der Gesundheitsämter auf SR-Anfrage hat gezeigt, dass die App bisher in keinem einzigen Fall geholfen hat, Infektionsketten nachzuvollziehen. Und dafür haben die Bundesländer in einer Nacht- und Nebelaktion viel Geld ausgegeben, 21 Millionen Euro insgesamt.

Die Daten sind nicht genau genug

Und dort, wo eine massenhafte Kontaktnachverfolgung sinnvoll wäre, etwas in Clubs, Diskotheken oder im Schwimmbad, sind die Daten, die die App liefert, nicht genau genug. Was nutzen dem Gesundheitsamt die Daten von 500 Besuchern, wenn nicht klar ist, wer sich wirklich in der Nähe eines Infizierten aufgehalten hat? Das macht nur Arbeit und bringt nichts!

Musterbeispiel für geschickte Lobby-Arbeit

Unter dem Strich ist der Ankauf der App ohne echte Ausschreibung ein Musterbeispiel dafür, wie geschickte Lobby-Arbeit Erfolge erzielt.

Anfang des Jahres setzte sich Smudo von den Fanta-Vier ins Fernsehen und machte Werbung für die App, an der er beteiligt ist  - mit der er also viel Geld verdient. Unterstützt wurde der Musiker von Talk-Mastern und Politikern, die für eine schnelle Einführung sorgten. Dass die App beim Datenschutz große Lücken aufwies, spielte auf einmal keine Rolle mehr. Die Corona-Warn-App dagegen, die auch viel Geld gekostet hat, kann immer noch nicht alle Potentiale einsetzen, weil Datenschutz-Bedenken bestehen.

Es gab Alternativen, die besser waren und sicherer

Was erschwerend hinzukommt: Es gab Alternativen, die besser waren - und sicherer. So hat eine St. Ingberter Software-Firma eine App entwickelt, Staysio, die als datenschutzkonform gilt. Und sie dem Land kostenlos zur Verfügung gestellt. Das war letztes Jahr. Danach hat man leider nichts mehr davon gehört.

Der Kommentar zum Nachhören

Kommentar: "Die Luca-App - ein Musterbeispiel für geschickte Lobby-Arbeit"
Audio [SR 3, Volker Roth, 09.09.2021, Länge: 02:28 Min.]
Kommentar: "Die Luca-App - ein Musterbeispiel für geschickte Lobby-Arbeit"
Ein Kommentar vom Leiter des SR- Rechercheteams Volker Roth.

Ein Thema im "Feierabend" am 09.09.2021 auf SR 3 Saarlandwelle

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