Der Kommentar: "Das Bistum schreibt viel und die Betroffenen interpretieren viel"

"Das Bistum schreibt viel und die Betroffenen interpretieren viel"

Oliver Buchholz   11.10.2018 | 12:45 Uhr

Im Bistum Trier steigt die Ablehnung gegenüber der geplanten Strukturreform. Die Initiative „Kirchengemeinde vor Ort“ kritisiert die geplante Zusammenlegung der bisher knapp 900 Pfarreien auf nur noch 35. Das Bistum Trier wehrt sich gegen die Proteste. Dazu ein Kommentar von SR 3-Reporter Oliver Buchholz.

Zusammenlegungen von Pfarreien
Bistum Trier wehrt sich gegen Proteste
Das Bistum Trier wehrt sich gegen Proteste gegen die geplanten Zusammenlegungen von Pfarreien. Die Zahl der Pfarreien im Bistum soll von knapp 900 auf 35 Großpfarreien verringert werden. Dagegen regt sich Widerstand und es soll auch eine Demonstration geben.

Als hätte die Kirche nicht gerade genug Probleme: Die Zahlen der Gläubigen gehen zurück, immer weniger junge Männer wollen sich zu Priestern weihen lassen, und dann ist da noch die kürzlich veröffentlichte Missbrauchsstudie, die offengelegt hat, dass kirchliche Strukturen sexuellen Missbrauch begünstigen.

Es sollte wieder mehr um Inhalte, mehr um Glauben und Seelsorge gehen, die Kirche sollte wieder mehr auf die Menschen zugehen anstatt den Status quo zu erhalten. Deshalb hat das Bistum Trier eine Synode veranstaltet, die viele Anregungen für eine inhaltliche und auch eine strukturelle Neuausrichtung gegeben hat.

Ein zentrales Ergebnis war die Etablierung des sogenannten „synodalen Prinzips“, soll heißen: Bei Entscheidungsprozessen sind auf allen Ebenen Ehrenamtliche und Betroffene mit einzubeziehen - und genau das hat schon zu Beginn der Umsetzung der Reform nicht geklappt: Plötzlich war die Rede von nur noch 35 Pfarreien und vor allem von der Zusammenlegung der Vermögen der Kirchengemeinden.

Dass das nicht gerade auf Begeisterung stößt, hätte man sich denken können. Das Problem dabei ist vor allem, dass die geplante Struktur bislang nirgendwo erprobt wurde. Die Verantwortlichen haben keine Bilder, keine Anhaltspunkt oder konkrete Vorstellungen, wie es letztendlich vor allem in den kleineren Orten aussehen wird, ob die „Kirche im Dorf bleibt“.

Karte der Großpfarreien im Bistum Trier (Foto: SR)
Karte der Großpfarreien im Bistum Trier

Der Initiative „Kirchengemeinde vor Ort“ Verbreitung von Fehlinformationen vorzuwerfen, ohne diese genau zu benennen, ist auch nicht gerade die feine englische Art. Das Bistum schreibt viel und die Betroffenen interpretieren viel - und genau das führt zum Konflikt. Auf der anderen Seite hat die Initiative „Kirchengemeinde vor Ort“, der nach eigenen Aussagen 230 von 900 Pfarreien folgen auch keinen konkreten Vorschlag wie es besser gehen könnte. Stattdessen heizen sie die Stimmung weiter an, rufen zu einer Demonstration auf.

Natürlich dürfen auch Katholiken ihre Meinung auf die Straße tragen, das aber zu tun mit dem Argument objektiv Informieren zu wollen, und gleichzeitig das Bistum dort nicht zu Wort kommen zu lassen, ist aber ebenfalls nicht die feine englische Art. Und die Reformgegner gehen sogar noch weiter: Sollte das Bistum nicht einlenken, drohen sie sogar mit einer Klage. Es geht letzten Endes um Verlustängste, um Vermögen, um Immobilien, um Geld und um Macht. Das Anliegen der Initiative Mitbestimmungsmöglichkeiten vor Ort zu erhalten und das Anliegen des Bistums Seelsorge und Pastoral neu zu denken, bleiben bei der Diskussion vollkommen auf der Strecke.

Über dieses Thema wurde auch in der "Region am Mittag" am 11.10.2018 auf SR 3 Saarlandwelle berichtet.

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