Kommentar: "Flächenversiegelung – ein dröges Thema? Ganz im Gegenteil!"

"Flächenversiegelung – ein dröges Thema? Ganz im Gegenteil!"

Lisa Krauser   06.12.2021 | 16:30 Uhr

Unwetterkatastrophen, Überschwemmungen und Hitzewellen. Die Klimakrise stellt uns vor große Herausforderungen. Umso wichtiger ist es, Wald-, Acker- und Wiesenböden zu schützen - denn in versiegeltem Boden kann Wasser nicht versickern. Gleichzeitig sind für das Saarland neue Firmenansiedlungen und Wohngebiete wichtig. Doch es fehlt im Land ein aktueller Flächennutzungsplan. Dazu ein Kommentar von Lisa Krauser.

Flächenversiegelung – ein dröges Wort. Ein dröges Thema? Ganz im Gegenteil! Ein emotionales Thema! Das zeigt sich schon an den hitzigen Auseinandersetzungen zwischen Gemeinden und Bürgerinitiativen gegen Flächenversiegelung, die im Saarland wie Pilze aus dem asphaltierten Boden schießen.

Zu den Fakten

Das Saarland ist ziemlich zubetoniert. Hinter Nordrhein-Westfalen ist es das am zweitstärksten zugebaute Flächenland in Deutschland. Jedes Jahr kommen bis zu 50 Fußballfelder dazu.

Natürlich, das Saarland ist ja auch dicht besiedelt. Trotzdem: Zu viel Boden ist unnötigerweise versiegelt. Da muss man sich nur in den Städten umschauen: asphaltierte Plätze an jeder Ecke – flankiert mit ein, zwei Bäumen, die gefühlt nur zu Deko-Zwecken da sind - und Neubaugebiete mit Beton-Klötzen, obwohl in den Ortskernen immer mehr alte Häuser leer stehen.

Viel Wald nutzt innerorts wenig

Ist doch nicht so schlimm! Das Saarland hat doch auch viel Wald- und Ackerfläche! Auch das ist richtig, nur helfen die in den Städten und innerorts wenig – wenn der nächste Starkregen kommt und das Wasser nicht im Boden versickern kann.

Klar: Häuser, Straßen, Industriegebiete – das brauchen wir. Und ein Land wie das Saarland, das immer mehr Einwohner verliert und mitten im Strukturwandel steckt, braucht auch attraktive Wohngebiete und neue Firmenansiedlungen. Keine Frage!

Reduzierung des Flächenverbrauchs - ein bundesweites Ziel

Aber wenn Deutschland seinen Flächenverbrauch bis 2030 um knapp die Hälfte reduzieren will - wie es die aktuelle und auch die neue Bundesregierung vorhaben – dann muss auch das Saarland seinen Beitrag leisten. Die Zeiten, in denen auf der grünen Wiese wild drauf losgebaggert werden kann, sind vorbei!  

Dessen sei man sich bewusst, heißt es von Seiten der Landesregierung. Dort verweist man unter anderem auf die Revitalisierung alter Industrie-Standorte oder auf Förderprojekte für private Entsiegelungsmaßnahmen.

Ein 15 Jahre alter Landesentwicklungsplan

Alles schön und gut – wenn die Landesregierung denn beim allerwichtigsten Instrument endlich zu Potte kommen würde: beim Landesentwicklungsplan! Ein Wort, mindestens so dröge wie Flächenversiegelung, aber genauso relevant.

Der Plan legt fest, welche Flächen im Saarland wie genutzt werden sollen. Aber er ist über 15 Jahre alt und müsste längst überarbeitet sein. Im aktuellen und sogar im vorigen Koalitionsvertrag haben CDU und SPD schon versprochen, die Teilpläne Umwelt und Siedlung zu einem Landesentwicklungsplan zusammenzuführen. Und? Was ist damit?

Eine neun Jahre alte Ankündigung

Nun ja, bis zur Landtagswahl im März wird das eher nichts mehr, heißt es kleinlaut aus dem Umweltministerium. Versprechen also auch in dieser Legislaturperiode nicht gehalten!

Seit der ersten Ankündigung sind neun Jahre vergangen. Neun Jahre, in denen CDU und SPD es nicht geschafft haben, sich darauf zu einigen, was in einem neuen Landesentwicklungsplan stehen soll.

Kein Druck im Kessel?

Andererseits: Wozu die Eile? Ist ja wenig Druck im Kessel, wenn sowieso schon ziemlich sicher ist, dass auch die nächste Landesregierung wieder eine Große Koalition sein wird.

Kurze Erinnerung: Starkregen, Überschwemmungen, Hitzewellen, zurückgehende Biodiversität! Deshalb ist Druck im Kessel!

Ein fataler Eindruck

Mit ihrer Unfähigkeit, sich zu einigen, erweckt die Landesregierung den fatalen Eindruck, dass die Weiterentwicklung des Landes und Umweltschutz zwei nicht miteinander vereinbare Interessen sind.

Das muss das Ziel sein

Der neue Landesentwicklungsplan muss - wenn er denn mal das Licht der Welt erblickt - das Gegenteil zeigen: Dass ein Saarland mit attraktiven Wohnmöglichkeiten und wichtigen Firmenansiedlungen möglich ist, ohne dass Umwelt- und Bodenschutz hinten angestellt werden.

Ein Thema in der "Region am Nachmittag" am 06.12.2021 auf SR 3 Saarlandwelle

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