Stempel  auf einem Kalender mit der Aufschrift "Einrichtungsbezogene Impfpflicht" (Foto: picture alliance / CHROMORANGE | Michael Bihlmayer)

"Mühsam für alle, und am Ende außer Spesen womöglich nix gewesen"

Simone Mir Haschemi   01.09.2022 | 12:30 Uhr

Die Landkreise im Saarland wollen die Corona-Impfpflicht für Beschäftigte in medizinischen Einrichtungen nicht durchsetzen. Der Landkreistag begründet das damit, dass die Impfpflicht Ende des Jahres voraussichtlich sowieso auslaufe und es deshalb unglaubwürdig wäre, sie jetzt noch durchzusetzen. Dazu ein Kommentar von Simone Mir Haschemi

Wie sinnvoll derzeit eine Impfpflicht für die ist, die in Krankenhäusern oder Pflegeheimen arbeiten, weiß ich nicht.

Eine Zeitlang war klar, dass eine Impfung die Wahrscheinlichkeit einer Corona-Infektion und schon allein dadurch auch der Weitergabe an andere verringert. Ob das aktuell noch so ist, ob Pfleger und Ärztinnen, wenn sie sich impfen lassen, andere damit dauerhaft und nennenswert vor Corona schützen können, das müssen Virologen beantworten – und die Studien dazu kommen kaum hinterher.

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Kommentar: "Mühsam für alle, und am Ende außer Spesen womöglich nix gewesen"
Audio [SR 3, Simone Mir Haschemi, 01.09.2022, Länge: 02:18 Min.]
Kommentar: "Mühsam für alle, und am Ende außer Spesen womöglich nix gewesen"
Der Kommentar von Simone Mir Haschemi.

Eine Zumutung - für alle

Die Situation in der Pandemie, auch die virologische, hat sich die letzten zweieinhalb Jahre ständig geändert. Sinnvolle politische Beschlüsse können schon wenige Monate später nicht mehr so sinnvoll erscheinen. Und das ist eine Zumutung – für alle.

Denn die Entscheidung der saarländischen Landkreise mag einerseits verständlich sein. Sie ist andererseits aber auch wieder mal eine dieser Situationen in der Pandemie, in denen man denken kann: Geht’s eigentlich noch? Erst ein Riesenbohei, bis die Impfpflicht mal steht. Dann dauert’s Monate, bis sie greifen soll. Und kaum ist das so weit, hat sie in den Augen vieler keinen großen Wert mehr und verpufft.

Das Irritierendste: Man kann es sogar nachvollziehen

Und das Irritierendste daran ist vielleicht: Man kann es sogar nachvollziehen, dass das so gelaufen ist. Ich jedenfalls. Denn es dauert eben gerade bei einem so schwierigen Thema wie einer Impfpflicht oft lange, bis eine politische Entscheidung fällt und in Gesetz gegossen wird. Und dann kann man Menschen nicht gleich innerhalb der nächsten paar Tage zur Impfung verpflichten.

Aber das Ergebnis, von jetzt aus betrachtet, ist: Es war mühsam für alle, und am Ende ist außer Spesen womöglich nix gewesen.

Mühsam für jeden

Mühsam für jeden, der über Monate die kleinteilige politische Diskussion verfolgt und versucht hat, sich selbst eine Meinung zu bilden, obwohl’s auch sonst schon genug zu bedenken gibt in der Welt.

Mühsam für jeden, der sich mit Familie oder Freunden darüber verkracht hat. Für Pflegeheimchefs, die ihre ungeimpften Beschäftigten konfrontrieren mussten.

Mühsam für diejenigen, die mit Leidenschaft Pflegerinnen sind, aber sich aus welchen Gründen auch immer nicht impfen lassen wollen. Für die, die es dann trotzdem für den Job getan haben.

Mühsam für Patienten oder Pflegebedürftige, die sich um ihre Gesundheit sorgen und jetzt bleibt doch alles, wie es war.

Die Pandemie verlangt uns allen viel ab

Und trotzdem kann ich nicht sagen: Es hätte klar ganz anders laufen müssen. Die Entscheidung der Kreise, die Impfpflicht nicht durchsetzen, stößt uns nur wieder mal mit dem Kopf drauf: Die Pandemie verlangt uns allen viel ab – auch kräftezehrende politische Schleifen.


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Ein Thema in der "Region am Mittag" am 01.09.2022 auf SR 3 Saarlandwelle

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