Bischof Stephan Ackermann diskutiert ruhig gestikulierend (Foto: picture alliance/dpa | Harald Tittel)

"Ein einzelner Bischof auf verlorenem Posten"

Ein Kommentar von Christian Otterbach   28.09.2022 | 15:16 Uhr

Mit dem Trierer Bischof Ackermann tritt der ehemalige Hoffnungsträger der katholischen Kirche als Missbrauchsbeauftragter ab. Aus den eigenen Reihen wenig unterstützt, kam die Aufklärungsarbeit nie voran. Doch auch Ackermann selbst muss sich Kritik im Umgang mit Betroffenen gefallen lassen, findet SR-Kultur-Chef Christian Otterbach. Ein Kommentar.

Die deutschen Bischöfe hatten sich vermutlich etwas dabei gedacht, als sie 2010 ihren damals jüngsten Amtsbruder losschickten: Stephan Ackermann - noch nicht lange Trierer Bischof, sollte als offizieller Beauftragter den Skandal um sexualisierte Gewalt in der katholischen Kirche aufklären. Jung, kommunikativ, unbelastet. Doch die Rechnung ging nicht auf - weder für Ackermann selbst, noch für die übrigen Bischöfe.

Auf verlorenem Posten innerhalb der Kirche

Zu stark war die Erschütterung durch die unfassbaren Ereignisse, die nach und nach und immer wieder ans Licht kamen. Zu bitter die Erkenntnis, wie sehr die Institution Kirche jahrzehntelang nur auf ihren guten Ruf bedacht war, vertuschte, log und die Betroffenen im Stich ließ.

Da war ein einzelner Bischof auf verlorenem Posten. Und wurde von seinen Brüdern auch noch im Regen stehen gelassen: Alleingänge der Bistümer, verweigerte Aufklärung, verschleppte Entschädigungen - und immer wieder auch neue Skandale im eigenen Laden ließen Ackermann manchmal doch sehr hilflos in seinem Amt wirken.

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"Immer wieder neue Skandale im eigenen Laden ": Ein Kommentar zum Rücktritt Ackermanns
Audio [SR 3, Christian Otterbach, 28.09.2022, Länge: 02:20 Min.]
"Immer wieder neue Skandale im eigenen Laden ": Ein Kommentar zum Rücktritt Ackermanns

Ackermanns Umgang mit Betroffenen

Dazu kamen eigene Fehler im Umgang und der Kommunikation mit den Missbrauchsbetroffenen - gerade auch im eigenen Bistum zwischen Saarland, Hunsrück und Eifel. Am Ende wird Bischof Ackermann erleichtert sein, das Amt jetzt abgeben zu können. Leider nicht mit dem Fazit: „Mission erfüllt“. Sondern ganz im Gegenteil.

Aufklärungsarbeit noch am Anfang

Zwar hat sich zum Beispiel bei der Präventionsarbeit viel getan, aber in Sachen Aufklärung steht die katholische Kirche nach zwölf Jahren immer noch am Anfang. Erst Recht, wenn es um die Bekämpfung der Faktoren geht, die sexualisierte Gewalt und auch spirituelle Gewalt in der Glaubensgemeinschaft begünstigen: Klerikalismus, der Vorzug der Institution vor den Menschen oder ein übertriebener Korpsgeist der Bischöfe und anderer geweihter Würdenträger.

Außerdem müssen die Bischöfe endlich verstehen, dass sie sich nicht selbst am Schopf aus dem Sumpf ziehen können: Es braucht mehr Aufklärerinnen und Aufklären von außen - und die müssen unbeschränkten Zugang zu den geheimen Schränken und Schubladen bekommen, in denen die entsprechenden Akten lagern.

Neuer Missbrauchsbeauftragter - mehr Ruhe?

Auf Ackermann folgt nun der ehemalige Trierer Weihbischof und jetziger Aachener Oberhirte Helmut Dieser. Doch egal, wer Missbrauchsbeauftragter der katholischen Kirche in Deutschland ist: Solange der Schutz der Institution wichtiger ist als die Glaubwürdigkeit der Botschaft, solange wird es keine Ruhe geben. Und das ist auch gut so.

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Ein Thema aus der Sendung "Region am Nachmittag" am 28.09.2022 auf SR 3 Saarlandwelle

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