AstraZeneca Impstoff (Foto: SR)

"Das ist beschämend"

Steffani Balle   03.08.2021 | 12:30 Uhr

Im Saarland liegen 6000 Dosen des Impfstoffs von Astra Zeneca im „Sperrbestand“ – wie das Gesundheitsministerium es ausdrückt. Das heißt: Das Verfallsdatum ist abgelaufen, die Impf-Dosen können weder an Drittländer abgegeben, noch hierzulande verabreicht werden und der Bund, dem die Impfdosen gehören, will sie auch nicht zurück. Eine peinliche Situation, die man hätte vermeiden können, sagt SR 3-Gesundheitsexpertin Steffani Balle. Ein Kommentar.

Sie will es nicht sagen. Ums Verrecken will Saar- Gesundheitsministerin Monika Bachmann nicht zugeben, dass jetzt doch eintritt, was nicht sein darf: 6000 Impfdosen müssen weggeworfen werden.

Kommentar: "Das ist beschämend"
Audio [SR 3, Steffani Balle, 03.08.2021, Länge: 02:46 Min.]
Kommentar: "Das ist beschämend"
Ein Kommentar von SR 3-Gesundheitsexpertin Steffani Balle.

Damit liegt das Saarland noch am unteren Ende im Bundesschnitt. Deutschlandweit gehen die Astra-Reste in die Hunderttausende. „Eine Todsünde“ sei jede verworfene Dosis Impfstoff, hatte Bachmann noch vor Kurzem beim Sommergespräch gesagt. Da hatte sie noch darauf gehofft, die übrig gebliebenen Astra-Impfdosen an Länder in Afrika abgeben zu können, die dringend Impfstoff benötigen. Der Bund grätschte dazwischen mit formalen Hürden.

Die Auskunft aus dem Ministerium am 8. August: Die Bestände würden nicht verworfen, sondern gelagert, weil es könnte ja sein, dass die Herstellerfirma irgendwann herausbekommt, dass der Impfstoff deutlich länger hält. Das klingt nach ganz fadenscheiniger Ausrede. Die Reste sind Bundeseigentum, da kann man nichts machen.

"Vorher hätte mal sehr wohl was machen können"

Kann man nicht? Das stimmt vielleicht zum jetzigen Zeitpunkt. Vorher hätte man sehr wohl was machen können. Die niedergelassenen Ärzte beispielsweise haben ihre Bestände an Astra-Impfstoff weitestgehend aufbrauchen können, weil sie zum richtigen Zeitpunkt Sonderimpfungen angeboten haben - und zwar als die Priorisierung aufgehoben war und alle knapp Über-60-Jährigen begierig auf den ersten Pieks warteten. Da haben sie alle diese Impfwilligen zu sich in die Praxen eingeladen, sich mit Astra impfen zu lassen.

Die niedergelassenen Ärzte waren es, die als Erste, lange vor den Impfbussen des Landes, in Sälen und Turnhallen Sonder- Impfaktionen angeboten haben. Mit Astra. Wochen nachdem sich das Land von dem Impfstoff verabschiedet und die Ärzte damit allein gelassen hatte.

Verunglückte Sonderimpfungsaktionen

Schon seit Beginn des Jahres hatte das Gesundheitsministerium versucht, seine 6000 Rest- Impfdosen Astra an den Mann und die Frau zu bringen. Leider verunglückten die Aktionen: Kaum hatte die Sonderimpfung für Pflegekräfte begonnen, kam der Stopp aus Berlin: Astra nur für Ü60-Jährige! Und das Angebot an die Blaulicht-Organisationen für eine Sonderimpfung kam dann einfach auch zum unpassenden Zeitpunkt - und wirkte eher wie Hohn, denn als Anerkennung für besondere Leistungen.

Und so liegen diese 6000 Astra- Dosen seit Monaten herum. Ohne dass irgendeine Idee sie gerettet hätte. Das Vorhaben, die überzähligen Astra-Dosen an Länder zu schenken, die dringend auf Impfstoff warten, kam einfach zu spät.

"Das ist beschämend"

Vielleicht hätte der Bund im Mai noch die Lieferung zur Weiterleitung angenommen. Heute aber, im August, nach Ablauf des Verfallsdatums, muss Monika Bachmann endlich zugeben, dass sie eine Todsünde begehen muss. Die 6000 Dosen werden im Sondermüll landen. Das ist mehr als peinlich. Das ist beschämend.


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