Besser Krisenbewältigung bei Überflutungen (Foto: SR)

"Dieser Planet braucht uns nicht. Wir brauchen ihn."

Interview: Simin Sadeghi   27.10.2021 | 12:20 Uhr

Starkregen, Hochwasser, Dürren. Mit welchen Folgen des Klimawandels müssen wir künftig in unserer Region rechnen? Und was können Politik und jeder Einzelne tun?

Ab Sonntag, 31. Oktober startet die UN-Klimakonferenz in Glasgow. Dort müssen mehr Klima-Zusagen getroffen werden, fordert Bundesumweltministerin Schulze. Auch im Saarland wird darüber diskutiert - auf einem eigenen Klimgakongress. Mit dabei: ARD-Meteorologe Sven Plöger.

SR: Herr Plöger, woran bemerkt man den Klimawandel denn ganz konkret hier im Saarland?

Sven Plöger: Man merkt einfach, dass die Wetterlagen sich verändern. Man merkt, dass das Wetter extremer wird. Das merkt man im Saarland, das merkt man durch die Hitze, durch Starkregenereignissen, auch über das Saarland hinaus. Im Extremfall landen wir dann bei der Jahrhundertflut vom Sommer, wo wir durch die sogenannte Zuordnungs- oder Attributionsforschung tatsächlich auch feststellen konnten, dass ein solches Ereignis berechenbar wahrscheinlicher wurde durch die Klimaveränderung.

Dahinter steckt übrigens eine Gleichung mit einem wunderbaren Namen: die Clausius-Clapeyron-Gleichung. Die besagt: Pro Grad Wärme sind sieben Prozent mehr Wasserdampf drin. Das bedeutet mehr latente Energie und die kann freigesetzt werden und das ändert eben unser Wetter-Regime. Und das macht den Klimawandel tatsächlich haptisch.

SR: Wie wird sich das Klima in den kommenden Jahren verändern? Worauf müssen wir uns einstellen?

Sven Plöger: Im Grunde genommen, können wir alles, was wir momentan erleben, zusammenfassen und sagen: Diese Dinge werden wir häufiger erleben. Wir müssen erwarten, dass die Richtung, die jetzt eingeschlagen ist, fortgesetzt wird. Das ist das, was uns die Klimaforschung vor 30, 40 Jahren mitgegeben hat. Das ist ein zentraler Punkt: Denn die Klimaforschung hat ja mit den damaligen Möglichkeiten schon sehr viel Wissen gehabt. Und jetzt fühlen wir die Dinge.

Jetzt ist es plötzlich soweit, dass wir damit Emotionen verbinden. Und deshalb reagieren wir jetzt auch und sind aber auch in einer dringenden Notwendigkeit. Wir haben aus der Sicht vieler Wissenschaftler noch acht bis 15 Jahre Zeit, um Kipppunkte zu vermeiden. Wenn diese Grenzen überschritten werden, dann wird das Ganze nicht nur lebensbedrohlicher an verschiedenen Stellen - die Flut hat das jetzt gezeigt -, sondern mehr und mehr unbezahlbar.

SR: Und was kann jeder einzelne tun? Was können wir denn hier im Saarland tun, um dem Klimawandel entgegen zu wirken?

Sven Plöger: Natürlich mit ganz gesundem Menschenverstand. Wir debattieren seit so vielen Jahren über die Dinge, die eher schlecht und die eher gut sind, dass wir einfach mal in uns selber nachforschen können. Und da gibt es die berühmte kognitive Dissonanz. Wir sprechen beispielsweise seit 2018 und insbesondere seit 2019 so viel über Umwelt und Klima wie noch nie und haben vor der Pandemie so viele Flugreisen und Kreuzfahrten gemacht wie noch nie, soviel Plastikmüll produziert wie noch nie und so viele SUVs zugelassen wir noch nie. Das ist kognitiv dissonant.

Vernünftiges Handeln mit dem Bewusstsein: Dieser Planet braucht uns nicht. Wir brauchen ihn. Und diesen Respekt wieder zu entwickeln, sein eigenes Wunschkonzert ein bisschen unterzuordnen unter das, was die Natur uns zur Verfügung stellt. Wir haben eine gute Luft und haben gerade im Saarland eine gute Wasserversorgung. Und das gilt es wirklich zu respektieren und sein eigenes Verhalten daran auszurichten. Sehr viel passiert im Kopf. Und dann: sich Ratgeber angucken, diese nicht nur ins Bücherregal stellen, sondern lesen und machen, was drin steht.

Das Interview führte Simin Sadeghi.

Das Interview zum Nachhören

"Dieser Planet braucht uns nicht. Wir brauchen ihn."
Audio [SR 3, Interview: SImin Sadeghi / Sven Plöger, 27.10.2021, Länge: 04:14 Min.]
"Dieser Planet braucht uns nicht. Wir brauchen ihn."


Mehr zum Thema

Ein Thema in der Sendung "Region am Mittag" vom 27.10.2021 auf SR 3 Saarlandwelle.

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