Teich auf dem Gelände der Gleisbaufirma in Kirkel (Foto: SR/Sarah Sassou)

Ein Industriegelände als Biotop

Sarah Sassou   02.06.2020 | 10:00 Uhr

Viele heimische Amphibien finden mittlerweile bei uns keinen Lebensraum mehr. Die Flächen sind bebaut, werden landwirtschaftlich genutzt oder sind bewaldet. Was fehlt, sind offene Graslandschaften und Teiche, sagt der Biologe Dr. Christoph Bernd. Er arbeitet für Unternehmen, die ihr Gelände für den Natur- und Artenschutz umgestalten wollen, auch wenn dort gleichzeitig noch industriell gearbeitet wird. Ein solches Unternehmen gibt es in Kirkel.

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Ein Industriegelände als Biotop
Audio [SR 3, Sarah Sassou, 02.06.2020, Länge: 02:46 Min.]
Ein Industriegelände als Biotop

In Kirkel auf dem Gelände der Firma Bahnlog gibt es ihn, den Laubfrosch. Der Biologe Dr. Christoph Bernd hat ihn selbst hergeholt in den Teich auf dem Industriegelände. Schon vor Jahren hatte man dort den Versuch gestartet, die Tierart wieder anzusiedeln, aber es klappte nicht. Heute hat der Laubfrosch auf dem Firmengelände seinen festen Sitz und Christoph Bernd hegt die Hoffnung, dass er sich von hier aus auch wieder ins Bliestal verbreitet. Und nicht nur Grasfrösche haben auf dem Industriegelände ein Zuhause gefunden. Es gibt Blindschleichen, Gelbbauchunken, Teichhühner und sogar Uhus.

Blindschleiche auf dem Geländer der Kirkler Firma (Foto: SR/Sarah Sassou)

Die Wiederansiedlung macht der Biologe im Auftrag von Jörg Michael Fries. Dem Unternehmer gehört das Gelände, dort betreibt er einerseits einen Güterbahnhof, andererseits recycelt er für die Bahn verunreinigten Schotter aus dem Gleisbett und Betongleisschwellen. Gleichzeitig schafft er aber auch Lebensräume für alle möglichen Tierarten.

Ein Lärmschutzwall als Artenschutzwall

Seit 2009 kümmert sich der Biologe Christoph Bernd im Auftrag des Unternehmers Jörg Michael Fries um die Artenvielfalt auf dem Gelände. Das neueste Projekt ist ein Lärmschutzwall. Er soll quasi als Artenschutzwall dienen mit besonderen Bereichen für schützenswerte Tierarten wie zum Beispiel Wildbienen. Dazu wurde der Wall an einer Stelle senkrecht abgegraben und im Erdreich gibt es viele kleine und große Löcher. 1,7 Kilometer ist der Wall entlang der Bahnstrecke lang - viel Platz für Wildbienen - und auch Kaninchen.

Auszeichnung durch das Bundesumweltmisterium

Die Firma Bahnlog wurde für ihr Engagement kürzlich vom Bundesumweltministerium mit dem Deutschen Innovationspreis für Klima und Umwelt ausgezeichnet und ist nun für die Auszeichnung auf europäischer Ebene nominiert.

Ein Thema in den "Bunten Funkminuten" am 02.06.2020 auf SR 3 Saarlandwelle

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