Packungen mit Rinderhackfleisch mit den Haltungskennzeichnungen der Stufe "Stallhaltung" und "Bio" liegen in einem Supermarkt  (Foto: picture alliance/Marius Becker/dpa)

Wie lässt sich Fleisch aus guter Tierhaltung erkennen?

Karin Mayer / Onlinefassung: Anne Staut   17.07.2020 | 11:50 Uhr

Der Corona-Skandal im Schlachtkonzern Tönnies hat viele aufgerüttelt. Wer beim Einkauf im Supermarkt, darauf achten möchte, wo das gekaufte Fleisch herkommt und unter welchen Bedingungen das geschlachtete Tier gelebt hat, kann sich an Kennzeichnungen an der Verpackung orientieren. Welche es gibt, hat SR-Reporterin Karin Mayer zusammengefasst.

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Wie wird Fleisch im Handel gekennzeichnet?
Audio [SR 3, Karin Mayer, 17.07.2020, Länge: 03:03 Min.]
Wie wird Fleisch im Handel gekennzeichnet?

Seit 2013 muss in der EU Fleisch, das nicht verarbeitet ist, gekennzeichnet sein. Der Verbraucher erhält Informationen zu Geburts-, Aufzuchts- und Schlachtort des Tieres. Nicht immer stimmen diese Orte jedoch überein. Ein Tier kann beispielsweise in Deutschland geboren, in den Niederlanden aufgewachsen und an einem dritten Ort geschlachtet worden sein. In diesen Fälle wird das Fleisch oft mit "Aufgezogen innerhalb der EU" gekennzeichnet.

Identitätsstempel zeigt Fleischherkunft

Grundsätzlich findet man auf der Verpackung eine Art Identitätsstempel des Betriebs. Auf dem Oval stehe beispielsweise, in welchem europäischen Land das Tier geschlachtet und verarbeitet wurde, sagt Barbara Schroeter von der Verbaucherzentrale des Saarlandes. Auch das Bundesland, in dem der Betrieb liegt und die Zulassungsnummer des Betriebs sind angegeben.

Bei verarbeitetem Fleisch, zum Beispielen bei gewürzten Fleischstücken, ist es schwieriger, die Herkunft des Fleischs zu erkennen. Oft gibt es allerdings einen QR-Code auf der Verpackung. Mithilfe eines QR-Code-Scanners auf dem Handy, kann man als Verbraucher nachsehen, woher das Fleisch kommt.  

Handel unterscheidet vier Haltungsformen

Auf der Verpackung gibt es außerdem auch Hinweise auf die Tierhaltung. Der Einzelhandel hat ein Haltungssiegel eingeführt, das zwischen vier Formen unterscheidet:

Haltungskennzeichnung «Stallhaltung» (Stufe 1) der Initiative Tierwohl (ITW).  (Foto: dpa/Initiative Tierwohl)

1: Stallhaltung
2: Stallhaltung Plus (Die Tiere haben zehn Prozent mehr Platz)
3: Außenklima(Die Tiere haben 50 Prozent mehr Platz)
4: Premium (Biohaltung)

Nicht immer hat der Verbaucher aber tatsächlich die Wahl. Im Handel gebe es fast nur Fleisch der Haltungsform 1 und bei Geflügel der Haltungsform 2 zu kaufen, sagt Schroeter. Nur ab und zu gebe es Bioangebote. Die Nachfrage halte sich aber noch in Grenzen.

Staatliches Tierwohllabel gefordert

Tierschützer fordern deshalb weiter, ein staatliches Tierwohllabel mit verbindlichen Vorgaben zu der Haltungskennzeichnung. Die Verbaucherzentrale vertritt die Auffassung, dass der Tierschutz durch die Nutztierhaltungsverordnung nicht weiter eingeschränkt werden darf und fordert Tierschutz für alle Tiere.

Von der Verpackung sollten sich die Verbraucher nicht in die Irre führen lassen. Dort wird häufig mit einer grünen Wiese geworben. Laut BUND stammt aber nur ein Prozent des Marktanteils bei Fleisch tatsächlich aus artgerechter Haltung.


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Über dieses Thema wurde auch in den "Bunten Funkminuten" auf SR 3 Saarlandwelle berichtet.

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