Ein Mädchen schaut aus dem Fenster. (Foto: dpa)

"Man hätte alle die Leistungen ohne Antragstellung erstatten können"

Interview: Gerd Heger   08.10.2019 | 16:45 Uhr

Kinder sollen nicht von der gesellschaftlichen Teilhabe ausgeschlossen werden, nur weil die Eltern wenig Geld zur Verfügung haben. Deswegen hat der BUND das so genannte Bildungs- und Teilhabepaket aufgelegt. Aus diesem Paket gibt es zum Beispiel Geld für die Klassenfahrt oder Unterstützung für die Mitgliedschaft im Verein. Doch es gibt ein Problem: Die finanziellen Mittel werden im Saarland nicht wirklich abgerufen. Warum das so ist und wie man es besser machen könnte, darüber spricht Wilfried Hose vom VdK Saarland im SR-Interview.

Audio

Interview: "Man könnte alle die Leistungen ohne Antragstellung erstatten"
Audio [SR 3, Interview: Gerd Heger, 08.10.2019, Länge: 04:08 Min.]
Interview: "Man könnte alle die Leistungen ohne Antragstellung erstatten"

Das Saarland und Rheinland-Pfalz sind Schlusslichter bei der Abrufung von Mitteln aus dem Bildungs- und Teilhabepaket. Die große Mehrheit der Kinder und Jugendlichen in Hartz-IV-Haushalten profitiert nicht davon. Nach einer Studie des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes haben 85 Prozent der Leistungsberechtigten nichts von den Zuschüssen. Im Saarland sind es keine sieben Prozent der Berechtigten, die das Geld beantragen. Ein möglicher Grund dafür ist, dass es - je nach Kommune - unterschiedliche Verwaltungsverfahren für das Geld gibt und Kritiker finden die Anträge insgesamt zu kompliziert.

Ein Nachweis der Kosten müsste genügen

Im Sozialgesetzbuch 2 stehe, dass darauf hingewirkt werden solle, dass die Kinder bzw. die Eltern die Leistungen in Anspruch nehmen, sagt Wilfried Hose vom VdK Saarland. Für ihn heißt das: "Man hätte man alle diese Leistungen ohne Antragstellung erstatten können". Ein Nachweis der Kosten genüge. Und so werde es in Hamburg auch gehandhabt. Das derzeitige Prozedere im Saarland sei ein "Bürokratiemonster", aber es ändere sich nichts, obwohl die Leistung aus dem Paket gebraucht werde.

Eine Alternative im Testlauf

Doch es gibt auch Hoffnung. An einer Grundschule in Elm werde das Prinzip des einfachen Handhabung des Paketes zurzeit getestet, sagt Hose. Die Eltern müssten nicht auf irgendwelche Ämter gehen, sondern könnten sich direkt an die Sekretärin der Schule wenden.

Ein Thema in der "Region am Nachmittag" am 08.10.2019 auf SR 3 Saarlandwelle

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja