Ein Herz liegt auf einem Holzkreuz (Foto: congerdesign)

Der Kaplan, der sich verliebte

Marie Kribelbauer   19.09.2019 | 10:05 Uhr

Zölibat oder lieben dürfen? Kaplan Walter Höcky musste sich zwischen seinem Priesteramt in der katholischen Pfarrei Heiliger Ingobertus in St. Ingbert und seiner Liebe entscheiden. SR-Reporterin Marie Kribelbauer hat ihm über seine Lebensentscheidung gesprochen.

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Der Kaplan, der sich verliebte
Audio [SR 3, Marie Kribelbauer, 19.09.2019, Länge: 02:27 Min.]
Der Kaplan, der sich verliebte

Zwei Herzen schlagen in Walter Höckys Brust: das eine für seine Lebensgefährtin, das andere für den Priesterdienst – auch wenn er den nicht mehr ausüben wird. "Das ist kein Beruf, den man einfach mal so wechselt, sondern ich fühlte mich berufen" sagt Höcky. Das könne man nicht so einfach abstreifen. Es sei vielmehr ein Loslöseprozess. "Vielleicht sogar sowas wie Trauerarbeit, dass ich den Weg, den ich geplant hatte, nicht weitergehen kann", so Höcky.

Es gab nur Entweder-oder

Bei seiner Entscheidung gab es nur Entweder-oder. Zwei Jahre hat er mit sich gehadert - doch nun ist es offiziell: Seinen Weg beschreitet er in Zukunft an der Seite seiner Lebensgefährtin. Trotzdem wäre er gerne weiterhin Priester geblieben, sagt er. "Ich war gern Seelsorger, die Leute haben gesagt 'das hat man schon gespürt' aber es ist leider so, dass die Kirche diese Lebensform vorgibt und beides geht leider nicht."

Der Zölibat ist immer noch Voraussetzung für den Empfang der Priesterweihe. Für Höcky gibt es aber verschiedene Möglichkeiten, den priesterlichen Weg zu gehen – der Zölibat war für ihn am Ende nicht der richtige.

Das respektieren nicht nur die Mitglieder aus der Gemeinde St. Ingbert, sondern auch Kollegen von Höckys wie zum Beispiel Pfarrer Daniel Zamilski. "Ich denke, man sollte im Leben versuchen, glücklich zu werden und wenn das für Walter Glück bedeutet, dann ist es die richtige Entscheidung. Wenn dem kirchliche Gesetze entgegenstehen, dann ist das schade, aber dann sollte man sich trotzdem für das Glück und das Leben entscheiden."

Und Höckys Entscheidung hat einen weiteren Vorteil: Er bleibt in St. Ingbert wohnen. So bleibt er der Pfarrei und der Gemeinde zwar nicht im Priestergewand, dafür aber in Zivil als Freund, Kollege und Ansprechpartner erhalten.

Über dieses Thema wurde auch in der Sendung "Guten Morgen" auf SR 3 Saarlandwelle am 18.09.2019 berichtet.