Justin Hajo (Foto: SR)

Rassismus im Saarland

Interview: Gerd Heger   30.06.2020 | 12:15 Uhr

Der saarländische Musiker Justin Hayo, dessen Vater aus Ghana stammt, hatte auf Instagram ein Video gepostet, in dem er einen rassistischen Übergriff auf zwei junge Frauen in Saarbrücken beschreibt. Im Studiogespräch erzählt er, wie auch er von Kindesbeinen an alltäglichen Rassismus bei uns im Saarland erlebt hat und wie er heute damit umgeht.

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Justin Hayo: "Ich musste in der zweiten Klasse die Schule wechseln, weil ich gemobbt wurde"
Audio [SR 3, Interview: Gerd Heger, 30.06.2020, Länge: 04:11 Min.]
Justin Hayo: "Ich musste in der zweiten Klasse die Schule wechseln, weil ich gemobbt wurde"

Justin Hayo ist Saarländer, Musiker und Lehramststudent. Sein Vater stammt aus Ghana und er war schon von klein auf mit Rassismus konfrontiert. Sein Leben sei nicht so, wie bei jedem anderen auch sagt er. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass jeder andere systematisch strukturelle Gewalt zu spüren bekommt wie BIPoC-Menschen überall in Deutschland und auf der Welt." (BIPoC- Black, Indigenous and People of Color. Eine Abkürzung, die für Menschen benutzt wird, die rassistisch diskriminiert werden.)

Er habe sehr bedrückende, persönliche Erfahrungen machen müssen, und das bereits in der Kindheit, sagt Hayo. In der zweiten Klasse habe er sogar die Schule wechseln müssen, weil er als einziger Farbiger in der Schule so stark gemobbt worden sei.

Der Übergriff und die Reaktionen

Nach dem rassistischen Übergriff auf die beiden jungen Frauen in Saarbrücken hatte Justin Hayo ein sehr emotionales Video gepostet, das auf viel positives Echo gestoßen ist, worüber er sich sehr freut. Und Hayo ist überzeugt: Nur wenn es gelingt, auch nicht Betroffene emotional zu erreichen, ist es möglich, den notwendigen Druck aufzubauen, um Änderungen zu bewirken.

Das Instagram-Video nach dem Übergriff

Instagram-Aufreger: Video
Justin Hayo zu einem rassistischem Übergriff
Es ist ein trauriges und aufwühlendes Video, dass aktuell im Sozialen Netzwerk Instagram für Aufregung sorgt: das Video des Saarbrücker Musikers Justin Hayo. Er sitzt dabei mitten in der Nacht vor seiner Kamera und erzählt die Geschichte von einem gewaltätigen, rassistischen Übergriff, den er mitten auf der Saarbrücker Fressgasse miterlebt hat – zwei junge Frauen streiten dort mit Männern.

Politisches Engagement

Der junge Musiker setzt zudem aber auch auf politisches Engagement. Mit Freunden und engagierten Initiativen sei man aktuell dabei, einen Maßnahmenkatalog aufzustellen mit Ziel- und Handlungsempfehlungen für Aktionen gegen Rassismus.


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Antidiskriminierungsstelle: "Rassistische Anfeindungen und Beleidigungen sind an der Tagesordnung"
Audio [SR 3, Interview: Gerd Heger, 30.06.2020, Länge: 03:22 Min.]
Antidiskriminierungsstelle: "Rassistische Anfeindungen und Beleidigungen sind an der Tagesordnung"

Karin Meißner von der Antidiskriminierungsstelle bestätigt, dass auch hier rassistische Anfeindungen und rassistische Beleidigungen an der Tagesordnung sind." Viele Menschen im Saarland sind dem tagtäglich ausgesetzt." Von der Politik erhofft sie sich, dass sie sich konkret dafür einsetzt, dass niemand diskriminiert wird. Ihr Credo: "Pro aktiv agieren und nicht nur proklamieren"


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Das Video des sterbenden George Floyd hat Menschen berührt – und mobilisiert. In der ganzen Welt, aber auch im Saarland. Die Demonstrationen der letzten Wochen haben die Diskussion über Rassismus noch einmal angeheizt. Überall liegen die Verhältnisse anders. Aber festhalten lässt sich: Fast immer richten sich die Übergriffe gegen sozial Benachteiligte und Angehörige von Minderheiten.

Ein Thema in der "Region am Mittag" am 30.06.2020 auf SR 3 Saarlandwelle

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