Geldscheine mit dem Umriss des Saarlandes (Foto: SR)

Das Jahr der Wechsel

Thomas Gerber   31.12.2018 | 12:00 Uhr

Das Jahr 2018 könnte man im Saarland auch als "Jahr der Wechsel" bezeichnen. Und das auf ganzer Linie.

2018 - ein Jahr des Wechsels. Das Wichtigste zuerst - das Wetter. Auf wochenlange Hitze, Dürre und furztrockene Böden folgten Platzregen, überflutete Keller und weggespülte Autos. Wir Saarländer zeigten, was uns ausmacht: Soldarität. Beeindruckend in Kleinblittersdorf wurden mehr als 180.000 Euro gesammelt und den Flutopfern überwiesen.

Wechselbad der Gefühle in Sachen Wirtschaft. Auf Positivmeldungen wie Ansiedlung Cispa und Küchenhersteller Nobilia folgten Hiobsbotschaften - zuletzt Jobverluste bei Ford. 2018 hat aber auch eindrucksvoll gezeigt, wer sich nicht wehrt lebt verkehrt. Die Gewerkschaften zeigten Flagge - bei der Neuen Halberg Guss kämpften die Beschäftigten monatelang letztlich erfolgreich um ihre Arbeitsplätze. Verdi zeigte an der Uniklinik Zähne, setzte bessere Pflege durch.

Landespolitik

Wechsel in der Landespolitik. AKK zog es Richtung Berlin. Von einigen ähnlich unterschätzt wie dereinst "Kohls Mädchen" bootete sie die Altherrenriege um Schäuble und Merz aus. Dies mit einer durchaus fulminanten Parteitagsrede. Gut möglich, dass die Republik alsbald von einer Püttlingerin regiert wird. Ihr heimischer Nachfolger Hans übernahm ein bestelltes Haus. Erstmals seit gefühlten Jahrtausenden des Sparens ist wieder Geld da. Was dem jungenhaften Landesvater noch fehlt ist Format. Aber man wächst bekanntlich mit den Aufgaben. Wechselstimmung im Landtag - dies teilweise skandalbedingt.

Funk beerbt Hans und Toscani wird nicht Ministerpräsident sondern Präsident des Hohen Hauses. In dem geht es recht langweilig zu. Was nicht zuletzt an der Opposition und insbesondere der AfD liegt, die die Arbeit verweigert. Wechsel beim Landessportverband. Der Skandalladen bekam ein neues Präsidium, da es Ex-Präsident Meiser mit Vetternwirtschaft und Selbstbedienung übertrieben hatte. Dass man einfach die Personen ausgetauscht hat und nicht die Strukturen, für mich der Wechselfehler des Jahres.

LSVS

Mit dem Wechsel hätte man sich Zeit lassen sollen. Die Rechtsaufsicht hätte Verantwortung übernehmen und zunächst den Staatskommissar schicken müssen. Stattdessen droht die Gefahr, dass Leute verheizt werden. 2018 - sicherlich auch ein Skandaljahr. Ganz vorne der LSVS, aber ebenso wegen der Homburger Verhältnisse mit Detektivaffäre und zwei angeklagten Oberbürgermeistern.

Ex-CDU-OB Schöner und SPD-OB Schneidewind geben sich demnächst im Landgericht die Klinke in die Hand. Verheerend für die Glaubwürdigkeit der Politik. Aber so schlimm das ist, Justiz und ich meine auch wir Medien haben unsere Arbeit gemacht, Gewaltenteilung hat funktioniert. In diesem Sinne einen schönen Jahres-Wechsel!

Über dieses Thema wurde auch in der SR 3-Rundschau am 31.12.18 berichtet.

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