Apotheke (Foto: pixabay/Hayleybarcar)

"Wir haben echte Versorgungsprobleme"

Michael Friemel im Gespräch mit dem Gesundheitsökonom Prof. Bernd Mühlbauer   06.03.2020 | 08:45 Uhr

Der Coronavirus stellt viele Ärzte und auch Krankenhäuser auf die Probe. Im Gespräch mit SR 3-Moderator Michael Friemel spricht Bernd H. Mühlbauer, Professor für Gesundheitsökonomie an der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen, über drohende Schwachstellen und Notwendigkeiten.

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Coronavirus: eine Probe fürs Gesundheitssystem
Audio [SR 3, (c) SR 3 , 06.03.2020, Länge: 04:14 Min.]
Coronavirus: eine Probe fürs Gesundheitssystem

Desinfektionsmittel und Atemmasken werden im Zuge des Corona-Virus knapp. Auch manche Medikamente sind schon seit längerem Mangelware. In den vergangenen Jahren sei im deutschen Gesundheitssystem zu sehr gespart worden, sagt der Gesundheitsökonom Professor Bernd Mühlbauer im SR-Interview. Das zeige sich insbesondere in den Krankenhäusern.

Nicht genügend Medikamente

Das Vergütungssystem sorge dafür, dass man die Lagebestände gering halte, so Mühlbauer. Hier sei man dann auf funktionierende Lieferketten angewiesen. Eine ausreichende Versorgung gerade in Krisensituationen wie jetzt beim Corona-Virus sei so nicht zu gewährleisten, kritisiert der Wissenschaftler.

Denn: Die meisten Medikamente und Arzneistoffe werden nicht in der EU hergestellt, sondern in China. Das sei zwar kostensparend, bestimmte unverzichtbare Medikamente müssten in Europa für Notsituationen vorgehalten werden, fordert Mühlbauer. Dazu müsse man eigene Produktionsstätten und damit auch höhere Kosten in Kauf nehmen.

Noch ausreichend Personal

Solange die Verbreitung des Corona-Virus in Deutschland sich so entwickle wie bisher und man die meisten Patienten zuhause unter Quarantäne behandeln könnte, sei mit Engpässen beim medizinischen Personal nicht zu rechnen, sagt der Gesundheitsökonom. Anders sei es allerdings, sobald vermehrt Ärzte und Pflegepersonal sich infizierten oder falls vermehrt Intensiv- und Krankenhausfälle auftreten würden. Dann müsse man gegebenenfalls weniger schwerwiegende Behandlungen aufschieben und unter Umständen zusätzliches Personal - etwa Medizinstudenten - hinzuziehen. Letzteres sehe der Pandemieplan für Deutschland vor.

Ein Thema in der Sendung "Guten Morgen" vom 06.03.2020 auf SR 3 Saarlandwelle.

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