Prof. Dr. Eva Möhler (Foto: Privat)

"Das Schlimme ist, wenn Eltern das Thema hervorheben"

Eberhard Schilling im Gespäch mir Dr. Eva Möhler, Direktorin der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Uniklinik in Homburg.   04.09.2020 | 11:25 Uhr

Es ist eine Tat, die tief verstört. In Solingen sind fünf Kinder getötet worden. Drei keine Mädchen, zwei Jungs. Im Verdacht steht die Mutter. Doch wie spricht man mit Kindern über ein solches Thema?

Erstaunlicherweise seien Kinder gegenüber schlechten Nachrichten sehr resilient - also widerstandsfähig, sagt die Kinder- und Jugendpsychiaterin Dr. Eva Möhler von der Uniklinik Homburg. Schwierig werde es lediglich, wenn die erwachsenen Bezugspersonen durch solche Ereignisse belastet würden. Das bemerkten Kindern schnell.

"Tatsächlich beschäftigen uns Erwachsene solche Themen mehr"

"Das Schlimme ist, wenn Eltern das Thema hervorheben"
Audio [SR 3, Interview: Eberhard Schilling / Dr. Eva Möhler, 04.09.2020, Länge: 03:54 Min.]
"Das Schlimme ist, wenn Eltern das Thema hervorheben"

Auch solle man Kinder nicht direkt auf solche Themen ansprechen, da sie sonst durch die Besorgtheit der Erwachsenen belastet werden könnten, sagt Möhler. Nur wenn die Kinder Fragen stellen - etwa zu einer Kindstötung, solle man ihnen erklären, dass dort die Erwachsenen krank gewesen seien, dass es wichtig sei, dass die Erwachsenen sich gut um sich selbst kümmerten und dass man das bei sich Zuhause auch tue. Ansonsten gebe man den Kindern ein Gefühl von Unsicherheit.

"In der Regel geht da eine lange Überforderung voraus"

Kindstötungen, wie sie nun in Solingen geschehen sind, gehe im Regelfall eine lange Vorgschichte voraus, sagt die Psychologin. Solche Eltern seien meist überfordert, nicht nur durch eine generell schon herausfordernde Elternschaft, sondern oft auch durch eigene seelische Belastungen - zum Beispiel aus der eigenen Kindheit. Kinder in Familien, in denen solchen Taten passierten, seien auch meist über einen längeren Zeitraum schon gefährdet gewesen. Sie zeigten womöglich auch Verhaltensauffälligkeiten, wie Stress, Nervosität oder Selbstverletzungen, so Möhler. Hier brauche es für Kinder und Eltern dann rechtzeitig psychologische Betreuung.

Ein Thema in den "Buten Funkminuten" vom 04.09.2020 auf SR 3 Saarlandwelle.

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja