Portrait - Matthias Maurer (Foto: Imago/Zuma Wire/NASA / ESA)

"Zum Start wünsche ich mir: Glück auf!"

Interview: Frank Hofmann   20.10.2021 | 08:40 Uhr

Am 31. Oktober soll ESA-Astronaut Matthias Maurer zur Raumstation ISS fliegen - einen Tag später als geplant. Grund für die Verschiebung sollen Arbeiten am Raumfahrzeug sein. Elf Tage vor dem Start haben wir mit ihm über seine letzten Vorbereitungen gesprochen.

SR: Wie geht es Ihnen jetzt, kurz bevor es losgeht?

Ich bin eigentlich total tiefenentspannt. Ich weiß ja, was auf mich zukommt. Natürlich wird die Aufregung schon wieder ein bisschen einsetzen - aber erst, wenn wir in der Kapsel sitzen, die Tür zugemacht und dann der Raketenmotor gezündet wird.

SR: Ins All zu fliegen, das ist ja nur wenigen Menschen vergönnt. Sind sie irgendwann mal aufgewacht und haben sie sich gedacht 'Oh Leck', was mache ich hier eigentlich?

Diesen Moment gibt es eigentlich sehr oft. Ich muss mich schon sehr oft mal zwicken und denken: Ist das jetzt eigentlich ein Traum oder oder erlebe ich das jetzt gerade wirklich? Ich lebe jetzt schon mehrere Jahre in dieser Blase, wo um mich herum alle auch Astronauten sind und hochfliegen zur ISS. Und diese Woche musste ich mich auch mal kurz kneifen, als ich dachte: Die chinesischen Taikonauten, die jetzt zur chinesischen Station geflogen sind, die kenne ich auch alle persönlich. Und das ist schon ein bisschen seltsam, dass man sich wirklich in diesem Umfeld bewegt, in dem man alle Menschen kennt, die gerade im Weltraum sind.

SR: Welche Momente gibt es noch, auf die Sie sich freuen?

Der Start ist ein Erlebnis, auf das ich mich ganz besonders freue. In weniger als zehn Minuten werde ich von null auf 28.000 Kilometer pro Stunde beschleunigen. Das ist dann die 25-fache Schallgeschwindigkeit - also viel, viel schneller als eine Gewehrkugel. Nach zehn Minuten ist ja alles schon vorbei, dann bin ich dann schwerelos und schwebe.

Und dann dauert es noch ein paar Minuten, bis ich mich losschnallen darf. Der spannende Moment ist hier erst einmal: Wie vertrage ich die Schwerelosigkeit? Kann sein, dass es uns da ein bisschen übel wird, dass man sich übergeben muss, dass man reisekrank wird. Aber wenn ich das jetzt gut verkrafte, dann werde ich mich direkt losschnallen von meinem Sitz.

23 Minuten nach dem Start fliege ich über das Saarland. Für ein paar Sekunden habe ich da die Möglichkeit, aus dem Fenster zu schauen, das Saarland zu sehen. Dann geht's direkt schon weiter über den Nahen Osten und einmal rund um die Erde herum.

In 90 Minuten fliegen wir einmal um die Erde. Das heißt, jeden Tag habe ich 16 Mal Sonnenaufgang, Sonnenuntergang. Ich glaube, diese Anblicke, einfach unseren Planeten zu genießen, von oben - da habe ich jetzt schon Gänsehaut, wenn ich mir diesen Moment vorstelle.

SR: Was werden wir denn zu sehen bekommen im All. Ist denn da was geplant?

Ja, da gibt es verschiedene Events. Des erste Event ist direkt schon 24 Stunden nach dem Start. Da kommen wir oben an, dann machen wir die Tür auf, schweben hinein. Und dann gibt es ein Live-Event. Die ganze Crew, die an Bord der Station ist, wird uns da begrüßen. Und wir funken einmal runter zur Erde. Das wird im Internet bei Nasa und ESA live übertragen. Da kann man uns schon direkt mal über die Schulter schauen und mal sehen, wie grün wir dann um Nase sind, ob wir diesen Start gut verdaut haben - oder wer noch so ein bisschen angeschlagen ist.

In den sechs Monaten gibt es mit Sicherheit noch einige Events mehr, wo wir live von der ISS übertragen. Und es gibt auch einige ganz spannende Dinge - zum Beispiel im Februar ein ganz großes Event: Das wird dann weltumspannend sein. 50 bis 60 Locations auf der Erde treten dann mit uns in Verbindung. Wir werden dann Musik hören, das gleiche Essen essen, was wir gerade auf der Station essen und gemeinsam über das Thema Raumfahrt reden.

SR: Sie sind gebürtiger Saarländer. Haben Sie denn noch einen Gruß für die Leute hier im Saarland auf Platt?

Ja, natürlich bin ich aus dem Saarland und ich kann natürlich auch "gudd Saarlännisch schwätze". Und wenn ich dehemm bin, dann schwätze ich mit meiner Familje und mit meine Freunde natürlich immer Saarlännisch. Zum Start wünsche ich mir: "Glück auf! Unn dass ihr mir all die Daume drigge!"

Audio

"Zum Start wünsche ich mir: Glück auf!"
Audio [SR 3, Interview: Frank Hofmann / Matthias Maurer, 20.10.2021, Länge: 03:48 Min.]
"Zum Start wünsche ich mir: Glück auf!"
Am 31. Oktober soll ESA-Astronaut Matthias Maurer zur Raumstation ISS fliegen. Er wird damit der erste Saarländer im Weltraum sein. Elf Tage vor dem Start haben wir mit ihm über seine letzten Vorbereitungen gesprochen.

Ein Thema in der Sendung "Guten Morgen" vom 20.10.2021 auf SR 3 Saarlandwelle.

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja