Interview: "Nicht genügend Parkangebot da"

"Nicht genügend Parkangebot da"

Nadine Thielen im Gespräch mit der Saarbrücker Behindertenbeauftragen Dunja Fuhrmann

Onlinefassung: Raphael Klein   04.07.2019 | 16:40 Uhr

Ab August sollen mehr Menschen zum Parken auf Behindertenparkplätzen berechtigt sein. So sieht es eine Richtlinie des Sozial- und Verkehrsministeriums vor. Dazu im SR-Interview Dunja Fuhrmann. Sie sitzt selbst im Rollstuhl und ist zurzeit Behindertenbeauftragte der Stadt Saarbrücken.

Im Saarland dürfen künftig mehr Menschen auf einem Behindertenparkplatz parken. Das Sozial- und das Verkehrsministerium haben Parkerleichterungen auf den Weg gebracht. Ab August können auch Menschen, die das Merkzeichen "G" (Gehbehinderung) im Behindertenausweis tragen, einen befristeten blauen Parkausweis beantragen. Bisher konnten das nur Personen mit Merkzeichen "aG" (außergewöhnliche Gehbehinderung). Die neuen Antragssteller müssen allerdings weitere Voraussetzungen erfüllen. So müssen sie zum Beispiel einen Behinderungsgrad 80 allein für Funktionsstörungen der Beine oder Wirbelsäule haben.

50.000 Behinderte parkberechtigt

Im SR-Interview begrüßt die ehrenamtliche Behindertenbeauftragte der Stadt Saarbrücken die neue Richtlinie. Denn damit seien rund 50.000 Menschen berechtigt, auf Behindertenstellplätzen zu parken - darunter nicht nur Rollstuhlfahrer, sondern beispielsweise auch Gehbehinderte, die an MS leiden oder auf Rollatoren angewiesen sind. Allerdings habe es für den letzteren Personenkreis schon den orangenen Parkausweis gegeben, der schon einige Sonderparkrechte wie das Parken auf Anwohnerparkplätzen den Gehbehinderten eingeräumt habe, so Fuhrmann.

"Schnellschuss des Ministeriums"

Fuhrmann sieht die neue Richtlinie allerdings auch kritisch. Die jetzige Erweiterung der Parkrechte erlaube es Menschen mit Gehbehinderung zwar zusätzlich auf den geräumigeren Behindertenstellplätzen zu parken, um so ihre Gehhilfen auch leichter be- und entladen zu können. Andererseits sei die neue Richtlinie auch ein Schnellschuss des Sozial-und Verkehrsministeriums. Denn dieses habe versäumt, in Kooperation mit den Kommunen für ein größeres Parkangebot vor Ort zu sorgen, beklagt die Behindertenbeauftragte.

Ein Thema in der Sendung "Region am Nachmittag" vom 04.07.2019 auf SR 3 Saarlandwelle.

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