"Man zielt auf Juden als Inbegriff des Bösen"

"Man zielt auf Juden als Inbegriff des Bösen"

Frank Hofmann im Gespräch mit der Historikerin Stefanie Schüler-Springorum   09.10.2020 | 08:46 Uhr

Vor einem Jahr hat Stephan B. in Halle zwei Menschen erschossen. Zuvor hatter der versucht, mit seiner Waffe nicht in die dortige Synagoge einzudringen. Antisemitismus in Deutschland zeigt sich nicht nur, aber immer öfter durch Gewalttaten.

In den letzten Jahren mündeten antisemitische Haltungen immer öfter in Gewalttaten, sagt Historikerin Stefanie Schüler-Springorum. Sie leitet das Zentrum für Antisemitismusforschung in Berlin. Die Zunahme der Gewalt habe auch mit einer Tendenz zu tun, gesellschaftliche Konflikte zunehmend mit Gewalt in die Straßen zu tragen.

Hass-Syndrom Antisemitismus

Dabei sei der Antisemitismus als solcher ein sehr vielschichtiges Phänomen, sagt Schüler-Springorum. So gebe es auch seit Jahrzehnten Konstanten bei antisemitischen Haltungen antijüdischer Gewalt - ein Art Hass-Syndrom gegenüber Juden, so die Historikerin. Dieses Syndrom zeige sich in der Verteufelung der Juden als "Inbegriff des Bösen" aus. Dies sei unter anderem ein historisch-religiöses, seit Jahrhunderten gewachsenes Phänomen, das auch niedrigschwelligen Antisemitismus und Ressentiments beinhalte - wie etwa die Wahrnehmung der Juden als eine homogene Gruppe.

Ein Jahr nach Anschlag in Halle

tagesschau.de
Halle gedenkt der Opfer
Ein Jahr nach den dem Angriff auf eine Synagoge in Halle finden dort heute mehrere Gedenkfeiern statt. Die zerstörte Tür der Synagoge wurde vor Kurzem ausgewechselt, aber die Folgen des Attentats sind bis heute zu spüren.

Ein Thema in der Sendung "Guten Morgen" vom 09.10.2020 auf SR 3 Saarlandwelle.

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja